Position der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) zur Wiederaufnahme von Geschäftsreisen im Flugverkehr

Als Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) rufen wir die Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Russischen Föderation dazu auf, den für den Wirtschaftsaustausch zentralen Geschäftsreiseverkehr zwischen Russland und Deutschland sowie der Europäischen Union rasch und umfassend wiederaufzunehmen.

Position der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) zur Wiederaufnahme von Geschäftsreisen im Flugverkehr

Dies wird wie ein Konjunkturpaket wirken und dringend benötigtes Wirtschaftswachstum generieren. Eine globale Wirtschaft braucht den globalen Reiseverkehr von Managern und Technikern. Deutschland profitiert davon als Exportnation, Russland bei der Modernisierung seiner Wirtschaft. Beide Länder, aber auch die Weltwirtschaft insgesamt brauchen ökonomisches Wachstum, um die milliardenschweren Stützungsprogramme tragen und zurückzahlen zu können.

Angesichts der in zahlreichen Ländern und Regionen steigenden Covid-Infektionszahlen und der Ungewissheit, wie schnell ein verlässlicher Impfstoff zur globalen Massenanwendung zur Verfügung steht, ringen Regierungen und Gesellschaft überall um eine tragfähige Balance zwischen Gesundheitsvorsorge und wirtschaftlicher und sozialer Stabilität.

Gerade hochtechnisierte und digitalisierte Länder wie Deutschland und Russland verfügen über die Möglichkeiten und Ressourcen, mit modernen Technologien Geschäftsleuten und Technikern Reisefreiheit zu gewähren, ohne den Gesundheitsschutz der Bevölkerung zu vernachlässigen.

Hierzu schlagen wir folgende Maßnahmen vor, die zumindest zwischen Russland und Deutschland umgesetzt werden sollten, besser noch zwischen Russland und der Europäischen Union:

1. Einrichtung von Covid-Schnelltest bei Aus- und Einreise an Flughäfen. Die Testkosten am Flughafen zahlen die Geschäftsreisenden. Alternativ ist beim Abflug beim Check-In ein negativer Covid-Test vorzulegen, der nicht älter als zwei Arbeitstage ist.

2. Keine Selbstquarantäne-Pflicht bei negativem Test-Ergebnis. Sobald ein negativer Covid-Test vorliegt, sollten sich Geschäftsreisende frei im Land bewegen dürfen.

3. Öffnung der Grenzen für Personengruppen mit Arbeits- und Geschäftsvisum und befristetem Aufenthaltstitel sowie für ihre Familienmitglieder.

4. Umfassende Wiederaufnahme des Konsularbetriebs zur Erteilung von Geschäftsvisa. Hunderte russische Fachkräfte konnten in den vergangenen Monaten nicht zur Arbeit oder Ausbildung in deutschen Fabriken und Betrieben nach Deutschland einreisen. Umgekehrt stehen Anlagen in Russland still oder können nicht in Betrieb genommen werden, weil deutsche und ausländische Techniker und Monteure nicht in notwendigem Maß einreisen können.

5. Mehrmalige Einreise nach Russland für hochqualifizierte Spezialisten (HQS) und für ihre Familien ohne die Verpflichtung, sich vorab die Wiedereinreise nach Russland genehmigen zu lassen und den damit in Russland verbundenen komplexen Prozess der Abstimmung mit mehreren Behörden durchlaufen zu müssen.

6. Ausweitung des Flugplans für designierte Fluggesellschaften aus Deutschland und Russland für eine Reihe wichtiger Flughäfen in beiden Ländern.

Im weltweiten AHK World Business Outlook vom Juli 2020 gaben 63 Prozent der deutschen Unternehmen im Ausland an, von Reisebeschränkungen betroffen zu sein. Für Russland gehen wir davon aus, dass die Zahl der betroffenen Firmen mindestens vergleichbar hoch, wahrscheinlich aber höher liegt. Die Mehrheit der exportorientierten deutschen Unternehmen können ihre Manager, Techniker, Monteure oder Vertriebsmitarbeiter nicht zu ihren ausländischen Kunden oder Lieferanten entsenden. Maschinen und Anlagen werden nicht fristgerecht gewartet, repariert oder in Betrieb genommen. Gleichzeitig werden weniger Neugeschäfte akquiriert. Dies hat bereits zu massiven Umsatzrückgängen geführt und bedroht einige mittelständischen Unternehmen in ihrer Existenz.

Wir danken den Regierungen in Russland und Deutschland ausdrücklich dafür, wenigstens für eine kleine Gruppe von Managern und Technikern deutscher in Russland aktiver Unternehmen Reisemöglichkeiten geschaffen zu haben. Seit Mitte Juni haben insgesamt zwölf Lufthansa-Flüge Frankfurt-Moskau-Frankfurt mehr als 450 deutsche Manager, Techniker und deren Familienangehörige von mehr als 200 Firmen nach Russland zurückgebracht. Jeder dieser Flüge und jeder Passagier bedarf der Einzelgenehmigung. Vorbereitung und Abwicklung der Flüge erfordern deshalb einen enormen bürokratischen Aufwand, der von der Deutschen Botschaft, der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) und zahlreichen russischen Behörden getragen wird. Es besteht dringender Bedarf an einer anders gearteten, vereinfachten Lösung.

Wir schlagen deshalb vor, vorhandene Schnelltest-Kapazitäten bei sorgfältiger Beachtung von Hygiene- und Abstandsregeln an den Flughäfen beider Länder auszubauen. Bereits jetzt besteht am Flughafen Frankfurt am Main die Möglichkeit, 10 000 Covid-Tests pro Tag durchzuführen. Kostengünstige Sars-Cov-2-Antikörper-Tests erlauben eine Diagnose innerhalb von 15 Minuten.

Die Grenzschließung zwischen Russland und Deutschland seit März hat bereits zu nachhaltigen Schäden im bilateralen Wirtschaftsaustausch geführt. Firmen sind gezwungen, wichtige Investitionsentscheidungen aufzuschieben oder abzusagen. Häufige, mitunter kurzfristige Veränderungen bei Teststrategie, Quarantänevorgaben und Reisewarnungen setzen ohnehin krisengeschüttelte Betriebe einem immensen zusätzlichen Planungs- und Informationsaufwand aus.

Videokonferenzen, virtuelle Kommunikationsmittel und Telefonate können persönliche Begegnungen teilweise ersetzen, aber nicht ganz. In einer von persönlichen Vertrauensbeziehungen geprägten Geschäftskultur wie der russischen stellt die Schließung der russischen Grenze für deutsche Geschäftsreisende seit März einen starken Wettbewerbsnachteil für deutsche Unternehmen in Russland dar.

Aus den aktuellen Daten der Deutschen Bundesbank geht hervor, dass die Netto-Direktinvestitionen deutscher Unternehmen in Russland im 2. Quartal 2020 so tief eingebrochen sind wie nie seit zwei Jahrzehnten. In nur drei Monaten wurden netto 1,1 Milliarden Euro aus Russland abgezogen, nachdem in den vergangenen Jahren umgekehrt ein konstantes Rekordwachstum zu verzeichnen war. Dies ist eine direkte Folge der Abschottung im Zuge der Corona-Pandemie. Sie führt zu Arbeitslosigkeit und Exportverlusten. Sie behindert Know-how-Transfer, bremst die Globalisierung und fördert den Protektionismus.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie der amerikanischen Harvard University zeigt, wie eng und unmittelbar Geschäftsreisen und Wirtschaftswachstum zusammenhängen. Die Harvard-Forscher haben ermittelt, dass das globale BIP um beinahe fünf Prozent sinken würde, wenn es allein aus Deutschland dauerhaft keine Geschäftsreisen mehr gäbe. Die Fortschreibung der gegenwärtigen Reisebeschränkung ist für die Weltwirtschaft insgesamt ein Schreckensszenario.

Laut einer aktuellen Umfrage des Verbandes Deutsches Reisemanagement (VDR) erlauben 87,5% der befragten Mitgliedsfirmen ihren Mitarbeitern Geschäftsreisen nach wie vor nur in begründeten Ausnahmefällen. Das hat nicht nur mit den Corona-bedingten gesundheitlichen Risiken zu tun, sondern vor allem mit den hohen Barrieren im internationalen Luftverkehr.

Der Geschäftsreiseverkehr hatte vor der Corona-Krise einen Anteil von rund einem Drittel am Passagieraufkommen im Luftverkehr. Deutschland und Russland setzen viele Milliarden Steuergelder ein, um Fluggesellschaften wie Lufthansa und Aeroflot in der Coronakrise zu stützen. Sie können und sollten die Gesundung der betroffenen Fluggesellschaften auch dadurch fördern, dass sie Geschäftsreisen wieder dauerhaft in größerem Ausmaß ermöglichen.

Als mit 1000 Mitgliedern größter ausländischer Wirtschaftsverband in Russland appelliert die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) mit Nachdruck an die Regierungen beider Länder, den Flugverkehr für Geschäftsreisende regulär wieder aufzunehmen und die Grenzen hierfür zu öffnen. Das Aufkommen der Passagiere wird nur einen Bruchteil dessen ausmachen, was in den vergangenen Monaten für Touristen ermöglicht wurde.

Um Covid gut bekämpfen zu können, braucht es neben guten Hygienemaßnahmen und verantwortlichem Handeln auf breiter gesellschaftlicher Ebene auch eine starke und gesunde Wirtschaft. Unternehmen haben selbst das allergrößte Interesse daran, ihre Mitarbeiter keinen unverantwortbaren Risiken auszusetzen. Kosten für Schnelltests am Flughafen werden gern von Unternehmen getragen.

Feedback
Kontakt
Business-Center Fili Grad, Beregovoy Proezd 5A K1, Etage 17, 121087 Moskau. Fili
Google Map
Telefon:

+7 495 234 49 50

Fax:

+7 495 234 49 51

Danke für Ihre Anfrage!