Corona-Pandemie versetzt Russlands Pharmabranche in Aufholmodus

Die russische Pharmabranche hinkt in vieler Hinsicht hinter den USA und EU-Ländern hinterher. Unterfinanzierung und ineffektives Management erschweren die Entwicklung. Aber in der Corona-Pandemie bieten sich neue Chancen. Darum ging es in der vierten Paneldiskussion „Strategie Pharma 2030: Integration internationaler Best-Practices“ während des Deutsch-Russischen Branchenforums am 22. November.

Corona-Pandemie versetzt Russlands Pharmabranche in Aufholmodus

Diagnose: Unterfinanzierung 
 Im Gesundheitswesen hinke Russland hinter den Industriestaaten stark hinterher, sagte Guzel Ulumbekowa, Dekanin der Moskauer Hochschule für Gesundheitsmanagement. Vor allem die Unterfinanzierung des russischen Gesundheitssystems sei ein Problem.

„In den alten EU-Ländern ist der Anteil der staatlichen Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandsprodukt 2,4-mal höher als in Russland“, ergänzte die Doktorin der Medizin. Deshalb sei der lokale Absatzmarkt für Arzneimittel und Medizinprodukte relativ klein. In der EU seien in den letzten fünf Jahren 18-mal mehr neue Medikamente zugelassen worden als in Russland, in den USA sogar 24-mal mehr.  

Zu viele Weisungsbefugte
 Ein weiteres akutes Problem besteht laut Ulumbekowa darin, dass die medizinische Forschung nicht aus einer Hand gelenkt werde. „Wir haben aktuell gleich fünf föderale Programme, die von drei diversen Behörden umgesetzt werden“, verdeutlichte die Expertin.

Viktor Dmitrijew, Vorstandsmitglied des russischen Unternehmerverbandes RSPP und Geschäftsführer beim Verband der russischen Pharmahersteller, bemängelte, dass es in Russland keine klare Politik gebe, was die vorrangigen Ziele im Gesundheitswesen angehe.

Außerdem gebe es viele Instanzen mit Weisungsbefugnis. „Wir haben mindestens drei Regulierungsbehörden: das Industrie- und Handelsministerium, das Gesundheitsministerium mit seiner Aufsichtsbehörde Rossdrawnadsor und das Kartellamt“, sagte Dmitrijew. „Alle drei Behörden haben jeweils eigene KPIs, die nicht immer miteinander im Einklang sind.“

Aber die Corona-Krise habe neue Chancen mit sich gebracht, so das RSPP-Vorstandsmitglied weiter. „Die Pandemie ermöglichte einen Paradigmenwechsel in der russischen Pharmaindustrie.“ Führer sei Russland immer hinter ausländischen Medikamentenherstellern zurückgeblieben. In der Pandemie sei das Land aber „fast zeitgleich mit seinen ausländischen Partnern“ an den Start gegangen.

Das Rad nicht neu erfinden 
 Аlex Stolarsky, Partner bei der Schneider Group, übte Kritik an der Importsubstitution und den Lokalisierungsanforderungen: „Ein Diktat ist immer schlechter, als wenn der Markt aus freien Stücken danach (nach der Unterstützung der lokalen Produktion – Anm. d. Red.) strebt.“

Er warnte, dass das vom Industrie- und Handelsministerium auferlegte Prinzip „Zwei sind einer zu viel“ zu einem Mangel an Qualitätsmedikamenten führen könne. Das wäre ein falscher Weg, sagte Stolarsky und empfahl: Statt das Rad neu zu erfinden, sollte die russische Pharmaindustrie bewährte Ansätze aus anderen Ländern übernehmen.

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