Dialog mit dem Botschafter: Deutsch-russische Beziehungen im Zeichen der Corona-Krise

In der Corona-Krise sind nicht nur Produktionen teilweise zum Erliegen gekommen, auch die internationale Zusammenarbeit in Politik und Wirtschaft steht vor großen, aber auch gemeinsamen Herausforderungen. Der deutsche Botschafter in Russland, Géza Andreas von Geyr, nennt bei einem Online-Treffen mit deutschen Unternehmen in Moskau Bereiche, die für die deutsch-russischen Beziehungen nach der Pandemie besonders aussichtsreich sein werden.

Dialog mit dem Botschafter: Deutsch-russische Beziehungen im Zeichen der Corona-Krise

In der Corona-Krise sind nicht nur Produktionen teilweise zum Erliegen gekommen, auch die internationale Zusammenarbeit in Politik und Wirtschaft steht vor großen, aber auch gemeinsamen Herausforderungen. Der deutsche Botschafter in Russland, Géza Andreas von Geyr, nennt bei einem Online-Treffen mit deutschen Unternehmen in Moskau Bereiche, die für die deutsch-russischen Beziehungen nach der Pandemie besonders aussichtsreich sein werden. 

Die Regierungen aller Länder befänden sich im Dilemma, eine Balance zwischen notwendigem Gesundheitsschutz einerseits und dem wirtschaftlichen und sozialen Wohl andererseits zu finden, sagte der deutsche Botschafter in Moskau, Géza Andreas von Geyr, am 16. Juni während einer Online-Diskussion mit deutschen Unternehmen. Während der Veranstaltung, die die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer für ihre Mitgliedsunternehmen organisierte, hielt der Botschafter einen Vortrag über die Corona-Krise, aktuelle Tendenzen in der russischen Innen- und Außenpolitik sowie über die deutsch-russischen Beziehungen.

Das Besondere an der jetzigen Krise sei, dass sie weltweit bereits zu drastischen wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen, in der Folge aber auch zu umfassenden Reaktionen der Regierungen zur Unterstützung von Bevölkerung und Wirtschaft und der Erkenntnis der Notwendigkeit einer verstärkten internationalen Koordinierung geführt habe, urteilte der Botschafter. In Moskau lebende deutsche Expats hätten die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie bereits am 5. März zu spüren bekommen. An jenem Tag hatten die Moskauer Stadtbehörden für alle aus Deutschland Einreisenden eine zweiwöchige Quarantänepflicht eingeführt. Was die wirtschaftlichen und sozialen Folgen für Russland angehe, so sei hier die Kombination aus Corona-Krise, sinkenden Ölpreisen und einem drastischen Einbruch der Nachfrage von ausschlaggebender Bedeutung.

Die Frage sei, ob die aktuelle Krise für Russland eine Chance sei, politische Prozesse   ggf- dauerhaft transparenter zu machen. Mitten in der Covid-19-Pandemie habe die Zentralregierung in Moskau viele Entscheidungen den Gouverneuren übertragen, erinnerte der Diplomat. Noch sei unklar, ob sich dieser Trend auch in Zukunft fortsetze und welche Folgen er für die Lösung wirtschaftlicher Fragen haben werde. Der Botschafter stellte ferner fest, dass der Wissenschaftsdiplomatie in der Corona-Krise eine besondere Bedeutung zukomme, z. B. durch den eingeleiteten Austausch zwischen deutschen und russischen Virologen. Positiv sei, dass Russland wie auch viele weitere Länder während der Pandemie anderen Staaten geholfen habe, genau wie auch umgekehrt Deutschland nicht nur europäischen Nachbarn geholfen, sondern z.B. auch Russland Hilfsangebote unterbreitet hatte

Auf die Frage, ob das Vorgehen Russlands in der Corona-Krise helfen könne, die Konflikte mit dem Westen zu entschärfen, antwortete Von Geyr, dass das deutsch-russische Verhältnis weiterhin im Gesamtzusammenhang aller politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen zu sehen sei. Hier sei die immer noch nicht gelöste Situation im Osten der Ukraine in vielerlei Hinsicht entscheidend. Auch der Hackerangriff auf den Bundestag von 2015 und der so genannte „Tiergarten-Mord“ müssen bei der Bewertung der Qualität der bilateralen Beziehungen Berücksichtigung finden.


Auf die Frage, ob das Vorgehen Russlands in der Corona-Krise helfen könne, die Konflikte mit dem Westen zu entschärfen, antwortete Von Geyr, dass das deutsch-russische Verhältnis weiterhin im Gesamtzusammenhang aller politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen zu sehen sei. Hier sei die immer noch nicht gelöste Situation im Osten der Ukraine in vielerlei Hinsicht entscheidend. Auch der Hackerangriff auf den Bundestag von 2015 und der so genannte „Tiergarten-Mord“ müssen bei der Bewertung der Qualität der bilateralen Beziehungen Berücksichtigung finden.

AHK-Vorstandschef Matthias Schepp sagte, die deutsche Wirtschaft in Russland wünsche sich, dass Berlin die deutsch-russische Wirtschaftsagenda als Brücke zwischen den beiden Ländern ansähe. Moskau und Berlin seien heute vollauf mit der Bekämpfung der wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen der Anti-Corona-Maßnahmen beschäftigt. Dies sei nötig, aber bei den deutschen Unternehmen komme die Sorge auf, dass für die Bundesrepublik, die im Juli für sechs Monate die EU-Ratspräsidentschaft übernimmt, Russland ein weniger wichtiger Punkt auf der Tagesordnung sei. Die AHK rufe Berlin dazu auf, Russland, das nicht nur geopolitisch, sondern auch wirtschaftlich eine wichtige Rolle spiele, nicht zu vergessen.

Botschafter von Geyr betonte, dass es für den Ausbau der bilateralen Beziehungen noch viel Spielraum gebe. So könnten in der Zukunft Themen eines „green deal“, d.h. einer stärkeren Zusammenarbeit bei Klima- und Energiefragen, sowie ein „white deal“ für den Gesundheitssektor eine wichtige Rolle spielen. Diese Themen seien auch zentraler Bestandteil der Agenda im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020.


Botschafter von Geyr betonte, dass es für den Ausbau der bilateralen Beziehungen noch viel Spielraum gebe. So könnten in der Zukunft Themen eines „green deal“, d.h. einer stärkeren Zusammenarbeit bei Klima- und Energiefragen, sowie ein „white deal“ für den Gesundheitssektor eine wichtige Rolle spielen. Diese Themen seien auch zentraler Bestandteil der Agenda im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft im zweiten Halbjahr 2020.

Botschafter von Geyr gab zudem seiner Hoffnung Ausdruck, dass Deutschland und Russland ihre Effizienzpartnerschaft bald mit Leben und konkreten Aktivitäten erfüllen könnten. Eine Absichtserklärung für eine „Deutsch-Russische Effizienzpartnerschaft“ hatten der deutsche Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und der damalige russische Wirtschaftsminister Maxim Oreschkin im Juni vergangenen Jahres unterzeichnet. Zu einer Wiederbelebung der bilateralen Beziehungen nach der Pandemie soll laut von Geyr auch das Deutschland-Jahr in Russland beitragen, das im Herbst beginnen soll.

Viele Fragen an den Botschafter betrafen die Wiederaufnahmen eines uneingeschränkten Reiseverkehrs – eine Frage, die in der Krise die Expats in Moskau vorrangig bewegt. Botschafter von Geyr verwies auf die laufenden, noch nicht abgeschlossenen Überlegungen, die bisher in der EU und in Russland herrschenden umfassenden Beschränkungen behutsam und schrittweise zu lockern. Die Wiedereinführung einer vollkommenen Reisefreiheit für alle sei angesichts der epidemiologischen Situation in der kurzen Frist wenig realistisch. Positiv sei, dass es infolge einer gemeinsamen Anstrengung gelungen sei, von den russischen Behörden die Zustimmung für den Lufthansa-Sonderflug am vergangenen Donnerstag, 11. Juni, zu erhalten, mit dem erstmals deutsche und europäische Managern von Frankfurt nach Moskau zurückkehren konnten. Dies sei ein erster, positiver und für die Zukunft Mut machender Schritt.

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