Thermische Abfallverwertung: Russland greift auf deutsches Know-how zurück

Wie schafft Russland den Übergang von einer linearen Abfallwirtschaft – Sammlung, Transport, Deponierung – hin zu einer Kreislaufwirtschaft? Wie schnell kommt thermische Abfallverwertung voran? Diese Themen wurden letzte Woche bei der Konferenz zum Thema „Steigerung der Energieeffizienz und der Umweltfreundlichkeit der thermischen Abfallverwertung: Potenzial für die russisch-deutsche Zusammenarbeit“ im Moskauer AHK-Büro behandelt.

Thermische Abfallverwertung: Russland greift auf deutsches Know-how zurück

Die Konferenz fand als Teil der Reise der Initiative deutscher Anbieter energieeffizienter Technologien zur thermischen Abfallverwertung (German-Russian  Energy efficient Applied Technology  Initiative  for  waste-to-energy projects / GREAT) nach Russland  statt. Das Projekt läuft unter dem Dach der Exportinitiative Energie des deutschen Wirtschaftsministeriums (BMWi)  und mit Unterstützung der AHK Russland. Die Initiative brachte sieben europäische  Unternehmen zusammen – Rosink Werkstätten, Strabag, Siemens, Energy, Durag Group, Thost Projektmanagement, Сhristof Industries, Luehr Filter.

In Russland werden große Hoffnungen auf die Entwicklung der thermischen Abfallverwertung gesetzt, die es ermöglicht, nicht verwertbare Abfälle zur Gewinnung von Energie oder Wärme zu verbrennen.  

Deutsch-russische Kooperation  
„Die thermische Abfallbehandlung ist in Deutschland inzwischen eine tragende Säule einer sicheren Abfallentsorgung“, betonte in ihrem Grußwort Christina Wittek, Ministerialrätin und Leiterin des Fachreferats IIA3 – Exportinitiative Energie im BMWi. Derzeit seien in Deutschland 68 Abfallentsorgungsanlagen mit einer Kapazität von 20 Millionen Tonnen für die Verbrennung von Siedlungsabfällen in Betrieb. Wittek lobte das russische Nationalprojekt „Ökologie“, das unter anderem die Verringerung der Abfallaufkommen in Russland anstrebt. Der geplante Bau von 25 Müllheizkraftwerken in Russland biete die Chance, deutsche Erfahrungen mit Russlands Interesse an innovativer Abfallentsorgung zusammenzubringen. 

Keine Zeit für Vorbereitung 
Russland habe keine Zeit zu verlieren, betonte Roman Kuprin, stellvertretender Abteilungsleiter für Metallurgie und Werkstoffe des russischen Ministeriums für Industrie und Handel. Das Land müsse in zehn Jahren das erreichen, was andere Länder innerhalb von 30 Jahren geschafft hätten. Russland habe sich das ambitionierte Ziel gesetzt, bis 2030 das Abfallvolumen auf den Deponien zu halbieren. Dies sei aber ein Zwischenziel auf dem Weg zur kompletten Beseitigung der Mülldeponien, wie dies in führenden Ländern der Fall sei. 

Die Aufgabe seines Ministeriums bestehe darin, die Abfallwirtschaft mit entsprechender Ausrüstung zu versorgen. Die russischen Produzenten seien bereits in der Lage, mehr als 80 Prozent der Anlagen herzustellen, die zur Abfallverwertung nötig seien. Die russischen Anlagen besäßen zudem ein hohes Exportpotenzial. „Das ist eine gute Chance, mit unseren deutschen Kollegen auf den Drittländer-Märkten zusammenzuarbeiten“, so Kuprin. 

Deutsches Know-how übernehmen   
Die heutige Lage in Russland bezeichnete Timur Kotljar, Vizegeneraldirektor von RT-Invest, als „katastrophal“: Im Land fielen jährlich 65 Millionen Tonnen Siedlungsabfälle an, davon würden 96 Prozent auf Deponien gebracht. RT-Invest betreibt das Pilotprojekt zum Bau von fünf Müllverbrennungsanlagen in Russland. Sein Unternehmen wolle dabei deutsches Know-how übernehmen, betonte Kotljar. „Ich bin davon überzeugt, dass wir mithilfe des deutschen Know-hows diesen Weg eher als in 20 Jahren zurücklegen.“ Deutsche Erfahrungen hätten RT-Invest dabei geholfen, seine Projekte fehlerfrei umzusetzen. In den kommenden fünf Jahren wolle RT-Invest in 20 russischen Regionen 150 Mülldeponien beseitigen und sie durch thermische Anlagen ersetzen.  

Abfälle als Ressource betrachten  
 Abfälle sollten als wichtige Ressource und nicht als Problem angesehen werden, so Peter Kurth, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft. Viele europäische Länder hätten hier noch Nachholbedarf: 40 bis 60 Prozent der Abfälle würden in einigen EU-Mitgliedsstaaten auf Deponien gebracht. Die zweite wichtige Botschaft besteht laut Kurth darin, dass die thermische Verwertung und Recycling sich nicht ausschließen, sondern ergänzen.  

Rüdiger Margraf, Teilnehmer der Initiative und Geschäftsführer von LUEHR Filter GmbH, gewährte Einblicke in Deutschlands Umgang mit Rauchgasreinigung. Transparenz und klare Vorgaben seien die Schwerpunkte. Die Transparenz äußere sich darin, dass in Deutschland jede Rauchgasreinigungsanlage mindestens einmal pro Jahr ihre Messwerte publik machen müsse. Diese werden dann von einer zuständigen Aufsichtsbehörde kontrolliert. Hinzu komme auch die Öffentlichkeitsarbeit: Es würden Tage der offenen Türen veranstaltet, damit die Bürger ihre Anlagen kennen und Vertrauen in sie haben.

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