Deutsche Bank

Kapital mit Geschichte

Das größte deutsche Geldhaus hat schon unter Zaren und Sowjets Projekte in Russland ermöglicht

Jung und hipp sind die Mitarbeiter im Moskauer Technologiezentrum der Deutschen Bank. Ihre Währung sind weder Rubel noch Euro, sondern Daten und Algorithmen. Zwischen Rechnern, Glaswänden und Café-Lounges deutet nichts darauf hin, dass ihr Arbeitgeber schon anno 1881 sein Geschäft in Russland begründete. 

Das Zarenreich ließ damals eine Eisenbahn­strecke bauen und die Deutsche Bank gab Wertpapiere heraus, um das Projekt zu finanzieren.

„Für uns war Russland immer einer der wichtigsten Märkte“, sagt Borislav Ivanov-Blankenburg, Länderchef der Deutschen Bank in Russland. Noch im neunzehnten Jahrhundert beteiligte sich das Geldhaus an der Russischen Bank für Auswärtigen Handel in Sankt Petersburg, damals eine der wichtigsten russischen Aktienbanken. Das war die Basis für eine Geschäftsbeziehung, die sogar während des Kommunismus Bestand hatte. In den Zwanzigerjahren, kurz nach der Oktoberrevolution, finanzierte die Deutsche Bank den Handel deutscher Unternehmen im Land. 

In den Siebzigern, mitten im Kalten Krieg, stand sie an der Spitze eines westdeutschen Konsortiums, das der sowjetischen Außenhandelsbank einen Kredit gewährte, um das deutsch-sowjetische Röhren-Erdgas-Geschäft zu finanzieren, ein Meilenstein in den Wirtschaftsbeziehungen beider Länder. 1973 richtete die Deutsche Bank als eines der ersten internationalen Kreditinstitute eine Repräsentanz in Moskau ein (Foto).

Heute beschäftigt das Unternehmen in seinem Technologiezentrum mehr als tausend IT-Experten und Finanzmathematiker, Tendenz steigend. Sie entwickeln Programme, die Händler und Berater der Deutschen Bank in aller Welt nutzen, um Währungen zu handeln, Risiken zu bewerten und Gewinnmargen zu berechnen. „So hochqualifizierte Fachkräfte findet man nicht überall auf der Welt“, erklärt Ivanov-Blankenburg die Entscheidung, eines von weltweit nur vier solcher Zentren in Russland aufzubauen. Russische Programmierer haben einen guten Ruf und werden von in- und ausländischen Firmen umworben. „Um uns frühzeitig als attraktiven Arbeitgeber vorzustellen, veranstalten wir zum Beispiel Konferenzen für Studenten“, erklärt der Russland-Chef.

Die zweihundert Mitarbeiter im klassischen Bankgeschäft betreuen in erster Linie Firmenkunden und institutionelle Kunden. 

Das sind meist Töchter internationaler Unternehmen oder russische Unternehmen mit globalem Geschäft. Sie brauchen Devisen, um Waren aus dem Ausland einzukaufen oder nehmen Kredite auf, um den Import von Maschinen zu finanzieren. Ein wichtiger Bereich ist das Akkreditivgeschäft im Außenhandel. Dabei garantiert die Bank, dass eine Firma zahlen wird, sobald sie die Lieferung einer anderen erhalten hat. 

Und die Unternehmen führen Konten, auf die sie am Ende des Geschäftstages ihre Rubel einzahlen. „In Russland lohnt es sich, Geld anzulegen, weil es anders als in Deutschland ein attraktives Zinsumfeld gibt“, sagt der Leiter des operativen Geschäfts der Deutschen Bank in Russland Ralph Fiermann.

Eine Aktie der Russischen Bank für Auswärtigen Handel in Sankt Petersburg, an der sich die Deutsche Bank bereits im 19. Jahrhundert beteiligte.

Das ist nicht der einzige Unterschied zum Bankgeschäft in anderen Ländern Europas. Nach dem Ende der Sowjetunion entstanden viele neue Banken, auch die Deutsche Bank erlebte einen Aufschwung. Sie begleitete viele Firmen, die auf dem russischen Markt Fuß fassten. Dabei wuchs sie selbst und stieg zur führenden ausländischen Bank im Kapitalmarktgeschäft auf. 

Dieser Bereich wurde hart getroffen, als 2009 die weltweite Finanzkrise auch Russland erschütterte. Die Zahl der Kreditinstitute hat sich seitdem auf weniger als sechshundert halbiert. Besonders Zentralbankchefin Elvira Nabiullina hatte sich der Reform des Bankenwesens verschrieben und wurde in den schwierigen Jahren der Ukraine-Krise zum Symbol für Stabilität. Inzwischen gelang es ihr auch, die Inflation, die Land und Bankensystem lange zu schaffen gemacht hatte, auf einen Wert um die drei Prozent zu senken. 

Im Bankengeschäft gebe es „Zeiten, in denen man optimieren muss“, sagt Fiermann.

Die Deutsche Bank betreut das Kapitalmarktgeschäft für Russland und viele andere Länder inzwischen aus Frankfurt und London heraus. Das Vermögen wohlhabender Privatkunden verwaltet sie von der Schweiz aus. Der russische Markt sei „noch ein Wachstumsmarkt, aber schon in der Reifephase“, erklärt Ivanov-Blankenburg. Die Vorgaben sind streng, etwa die Maßnahmen gegen Wirtschaftskriminalität. Nach geldwäscheverdächtigen Wertpapiergeschäften von Kunden in Russland hat die Deutsche Bank die Kontrollen verschärft. „Wir haben den Bereich Anti-Finanzkriminalität gestärkt und in den letzten Jahren entsprechend mehr Personal aufgebaut“, so Fiermann.

Am Bekenntnis des größten deutschen Geldhauses zu Russland haben die Turbulenzen der vergangenen Jahre nichts geändert, sagt Ivanov-Blankenburg. Die Deutsche Bank glaube fest an das Land. Umgekehrt genießt sie auch weiterhin hohes Ansehen. Das geht sogar so weit, dass immer mal wieder Russen ein Privatkonto in der Moskauer Zentrale eröffnen wollen, was die Deutsche Bank in Russland nicht anbietet. Es sei jedoch „ein schöner Vertrauensbeweis“, findet Fiermann.

Borislav Ivanov-Blankenburg (links), Ralph Fiermann und die Leiterin des Technologiezentrums Ekaterina Sannikova.

Fotos: Evgeny Kondakov, Deutsche Bank

DIE RUSSLAND-MEISTER

Rhenus

Rhenus

Wie ein deutsches Logistikunternehmen zu einem Zollterminal an der russischen Grenze kam

– Mehr...
Schaeffler

Schaeffler

Schaeffler wird an der Wolga heimisch

– Mehr...
MR

MR

Regensburger Weltmarktführer kommt als Start-up in den Ural

– Mehr...
Feedback
Kontakt
Haus der deutschen Wirtschaft
Business-Center Fili Grad, Beregovoy Proezd 5A K1, Etage 17, 121087 Moskau. (Метро “Фили”)
Google Map
Telefon:

+7 495 234 49 50

Fax:

+7 495 234 49 51

Спасибо за Ваше обращение!