Lernidee Erlebnisreisen

Der Traum vom Fahren

Ein Berliner Reiseveranstalter ist Experte für Abenteuer auf der Transsibirischen Eisenbahn

Fahren und staunen, bis der Kontinent endet. Von einer Reise auf der Transsibirischen Eisenbahnstrecke träumen nicht nur Ausländer, die in Russland leben, sondern auch Menschen, die mit Russland sonst wenig anfangen können. Viele fasziniert die mehr als neuntausend Kilometer lange Trasse, die von Moskau bis Wladiwostok am Pazifik führt. Dass sich jedes Jahr tausende Touristen aus Deutschland und anderen westlichen Ländern den Wunsch erfüllen, daran hat auch Hans Engberding mit seinem Berliner Unternehmen Lernidee einen Anteil. Geplant war das aber nicht.

Engberding bot Mitte der Achtzigerjahre in Berlin einen Sprachkurs Russisch an.

Doch die Kunden wollten lieber gleich in die Sowjetunion, statt zuhause Vokabeln zu pauken. Also organisierte er 1986 für eine Gruppe die erste Reise auf der Transsibirischen Eisenbahnstrecke, der Transsib. Das Klassenzimmer verlegte er in ein Zugabteil. Während draußen Nowosibirsk und Ulan-Ude vorbeizogen, übten die Teilnehmer ihre ersten russischen Sätze. Für Ausländer war das damals ein seltenes Abenteuer. Zu Sowjetzeiten war das Land abgeschottet, die wenigen Reisenden aus dem Westen wurden streng überwacht. Kaum ein Hotel bot westeuropäische Standards.

Das hat sich nach dem Ende des Kommunismus geändert. Touristen, Reiseveranstalter und Hotelketten entdeckten den größten Flächenstaat der Welt. Russland hat es inzwischen unter die zehn meistbesuchten Länder geschafft. Neben Moskau und Sankt Petersburg lockt Touristen auch die Transsib. 

Mehr als 30 000 Menschen haben auf dieser Strecke inzwischen eine Bildungsreise mit Lernidee unternommen.

Sie fahren im Linienzug der Russischen Bahn oder im Zarengold-Sonderzug von Moskau bis Wladiwostok. Manche Züge nehmen nach dem Baikalsee, dem tiefsten Süßwassersee der Welt, eine Abzweigung, die über die Mongolei bis Peking führt. Andere verkehren in die entgegengesetzte Richtung von Asien nach Moskau.

An einem Tag im Spätherbst leuchtet der Sonderzug golden im Abendrot an der mongolisch-russischen Grenze, während sanfte Hügel samt Jurten und Viehherden in der Dämmerung verschwinden. An das leichte Schaukeln beim Einschlafen mussten sich die Passagiere, die hier gerade unterwegs sind, erst einmal gewöhnen. Ihre Reise von der chinesischen in die russische Hauptstadt dauert zwei Wochen. Die meisten sind aus Deutschland oder anderen westlichen Ländern. Russen kommen seltener auf die Idee, im Urlaub einfach so mit der Bahn durch ihr riesiges Land zu reisen.

Mit an Bord sind russische Zugbegleiter, Techniker, Köche sowie mehrere Reiseleiter, einheimische und zwei aus Deutschland. 

Das Programm reicht von der Wodkaprobe über Weltkulturerbe bis zur Peking-Ente. Der Zug rollt meist nachts. Tagsüber besichtigen die Teilnehmer in den Städten Kreml, Kathedralen und Moscheen, tanzen mit einer Folkloregruppe in Jekaterinburg am Uralgebirge und kosten Kaviar in Irkutsk. Sie nehmen ein Bad im Baikalsee oder probieren geräucherten Omul, einen Lachsfisch, der nur hier lebt. In Sibirien sitzen sie bei Gastfamilien am Tisch und abends singen sie nach einem Schaschlik das russische Lied „Kalinka“.

Von den Reiseführern habe sie eine Menge über Land und Leute gelernt, erzählt Janet Baron aus Köln am Ende ihrer Reise von Ost nach West. Unterwegs staunte sie über „den Kontrast zwischen dem alten und dem modernen Russland“, wie sie sagt. „Die sibirischen Dörfer entlang der Strecke erinnerten mich an das Mittelalter. Als wir uns Moskau näherten, war der Wohlstand von Städten wie Kasan beeindruckend.“ Von der russischen Hauptstadt ist sie begeistert. „Ich möchte wiederkommen und auch noch Sankt Petersburg besuchen“, erklärt sie.

Immer wieder kehrt auch Hans Engberding zurück. Mehr als dreihundert Mal hat er Russland bereist und schwärmt von der „herzlichen Gastfreundschaft“, die er nicht nur auf Schienen erfahren hat.

Längst schickt er mit Lernidee auch Touristen mit dem Schiff von Moskau nach Sankt Petersburg oder auf der Wolga bis nach Astrachan am Kaspischen Meer.

Wer Mütterchen Wolga folgt, reist durch eine einzigartige Flusslandschaft und durch die bewegte russische Geschichte. Vom Moskau-Wolga-Kanal, in den Dreißigerjahren unter Stalin von Häftlingen erbaut, geht es flussabwärts vorbei an den einst von vielen Wolgadeutschen besiedelten Gebieten um Saratow und an der Stadt Wolgograd. Dort, im ehemaligen Stalingrad, erinnert eine monumentale Mutter-Heimat-Statue an den Sieg im Zweiten Weltkrieg. Die Kreuzfahrt endet am Wolgadelta, Lebensraum vieler Tiere und Zwischenstation für Zugvögel.

Ein Zugvogel ist auch Engberding, immer unterwegs auf der Suche nach Neuem. Dank seinem Erfolg in Russland organisieren er und sein Team heute Touren in aller Welt. Drei Jahrzehnte, nachdem er beinahe aus Versehen Russland für das Reisen entdeckte, lässt er seine Gäste noch immer fahren und staunen, mittlerweile auf allen sieben Kontinenten.

Fotos: Lernidee Erlebnisreisen

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