Liebherr

Geräte fürs Grobe

Kräne und Bagger aus Baden-Württemberg bringen Bewegung auf russische Baustellen

Im Kusnezker Becken, im Herz der sibirischen Bergbauindustrie, versetzen Bagger Berge. Seit bald hundert Jahren wird dort Steinkohle gewonnen. Wenn es zwischen den schwarzen Kohlebergen gelb leuchtet, dann sind das oft Baumaschinen des deutschen Herstellers Liebherr: Kräne, eine Betonpumpe, dazu Tiefbau-Bagger, Radlader und Muldenkipper, insgesamt hunderte „Erdbewegungsmaschinen“, wie Fachleute sagen. In Russland gibt es viel zu bewegen, deswegen baggern, fahren und heben die meist gelb lackierten Liebherr-Maschinen im Dienst russischer Unternehmen in allen Regionen des Landes, manche sogar schon seit Sowjetzeiten.

Mit weltweit mehr als 41 000 Mitarbeitern erwirtschaftet die Firmengruppe Liebherr heute bis zu neun Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Im Bereich Bergbau- und Baumaschinen gehört sie zur Weltspitze.

Am Anfang aber stand ein einziger Kran im schwäbischen Kirchdorf an der Iller. Gründer Hans Liebherr hatte ihn 1949 so konstruiert, dass er in wenigen Stunden aufgebaut und vergleichsweise einfach von einer Baustelle zur nächsten gebracht werden konnte. Der Bedarf an Maschinen für den Wiederaufbau war nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland groß und Liebherrs Betrieb wuchs rasch. Die Schwaben bauten nach wenigen Jahren auch Wälzfräsmaschinen, Hydraulikbagger und Kühlschränke. Bald entdeckten sie ausländische Märkte im Westen wie im Osten. 

Als einer der ersten westdeutschen Unternehmer machte Hans Liebherr in den Sechzigerjahren Geschäfte mit der Sowjetunion. Er lieferte Fräs- und Stoßmaschinen, mit deren Hilfe Arbeiter in den Moskauer SIL-Werken Lastwagen bauten. In den Siebzigerjahren eröffnete Liebherr eine Vertretung in Moskau und baute zusammen mit anderen westdeutschen Firmen ein Getriebewerk für die Automarke Moskwitsch. Später orderten die Sowjets mehr als dreihundert mobile Kräne, die ihnen helfen sollten, Öl- und Gaslagerstätten in Sibirien zu erschließen. 

Als sich die Sowjetunion unter Michail Gorbatschow öffnete, gründete Liebherr ein Gemeinschaftsunternehmen mit russischen Partnern, um Fünfzig-Tonnen-Kräne zu produzieren. 

Manche Maschinen aus den vergangenen Jahrzehnten reisen noch heute von Baustelle zu Baustelle durchs Land, zum Beispiel als sogenannte Taxikräne immer dorthin, wo gerade neue Türme entstehen. Jedes Jahr kommen neue hinzu.

Mittlerweile zählt Russland zu den fünf wichtigsten Märkten für Liebherr.

Willi Liebherr, Präsident des Verwaltungsrates und Sohn des Firmengründers Hans Liebherr

Die im Jahr 2000 gegründete Tochtergesellschaft macht ihr Hauptgeschäft mit Bergbau- und Baumaschinen, aber sie vertreibt unter anderem auch Kühlschränke – das Produkt, für das die Marke bei den russischen Verbrauchern bekannt ist.

Die Bagger und Kräne von Liebherr halfen in jüngster Zeit mit, das höchste Gebäude Europas in Sankt Petersburg und Wolkenkratzer im Businessviertel Moskau City zu errichten. Auch am Bau fast aller Stadien für die Fußballweltmeisterschaft waren sie beteiligt.


Die Maschinen werden zwar noch immer importiert, doch seit 2011 fertigt Liebherr einige Teile der großen Geräte in Russland. Im Gebiet Nischnij Nowgorod, etwa vierhundert Kilometer östlich von Moskau, hat das Familienunternehmen aus Baden-Württemberg mehr als zweihundert Millionen Euro investiert.

„Das war eine der größten Investitionen von Liebherr in den vergangenen Jahren“, sagt Russland-Chef Nikolaus von Seela.

In der Werkshalle hängt dunkler Dunst zwischen den riesigen Anlagen, mit deren Hilfe die Männer in drei Schichten Stahl verarbeiten. Ein Plasmastrahl schneidet bis zu vierzehn Zentimeter dickes Metall zurecht, das von Kränen zur nächsten Station gebracht wird. Am Ende soll daraus eine Baggerschaufel werden. Die in Russland entstandenen Teile für Bagger und Turmkräne werden zur Endmontage in Liebherr-Betriebe in Deutschland und Österreich gebracht.

Nebenan setzen Automechaniker gebrauchte Dieselmotoren für russische Kunden instand. In einer weiteren Halle produziert Liebherr Komponenten von Hydraulikzylindern für die Luft- und Raumfahrt.

Von anderthalbtausend Beschäftigen der russischen Liebherr-Tochter arbeitet mehr als ein Drittel im Werk bei Nischnij Nowgorod. Die Vertriebs- und Service-Mitarbeiter sind übers ganze Land verteilt. Sogar in so abgelegenen Regionen wie Sachalin an der Grenze zu Japan oder in Norilsk, der nördlichsten Großstadt der Welt und Zentrum der russischen Nickelgewinnung, stehen den Liebherr-Kunden Ansprechpartner zur Verfügung.

Außerdem betreibt die Firma drei große Reparatur- und Lagerkomplexe in Moskau, im Kusnezker Kohlebecken und in Chabarowsk nahe der chinesischen Grenze.

All die Maschinen und ihre Ersatzteile bei jedem Wetter in alle Ecken des riesigen Landes zu bewegen, das ist für Liebherr in Russland eine noch größere Herausforderung als mit dem Bagger Berge zu versetzen.

Fotos: Hans-Jürgen Burkard

DIE RUSSLAND-MEISTER

Bosch

Bosch

Das deutsche Weltunternehmen Bosch ist längst auch in Russland zuhause

– Mehr...
Volkswagen

Volkswagen

Europas größter Automobilkonzern lässt Russlands Traum vom Fahren wahr werden

– Mehr...
Petkus

Petkus

Wie Russland für Saatgutanlagen aus Thüringen zur ersten Heimat wurde

– Mehr...
Feedback
Kontakt
Haus der deutschen Wirtschaft
Business-Center Fili Grad, Beregovoy Proezd 5A K1, Etage 17, 121087 Moskau. (Метро “Фили”)
Google Map
Telefon:

+7 495 234 49 50

Fax:

+7 495 234 49 51

Спасибо за Ваше обращение!