SCHNEIDER GROUP

Der Überflieger

Ein Hamburger bringt deutsche und westliche Unternehmen auf den russischen Markt

"Hier geht es nicht weiter."

Der Osten hat Ulf Schneider schon als Kind fasziniert. Er ging noch nicht mal zur Schule, als er im Urlaub mit den Eltern bis an die polnisch-sowjetische Grenze fuhr, aber er erinnert sich noch gut an den Moment. „Hier geht es nicht weiter“, sagte sein Vater. Mittlerweile hat der gebürtige Hamburger sich und allen anderen längst das Gegenteil bewiesen. Er hat nicht nur selbst in Moskau Karriere gemacht, sondern mit seiner SCHNEIDER GROUP auch hunderte Unternehmen auf ihrem Weg in den Osten begleitet.

Sein Russland-Abenteuer begann Anfang des Jahrtausends, als viele deutsche Mittelständler den russischen Markt für sich entdeckten. 

Schneider war als Angestellter des deutschen Versicherungsgiganten Allianz gekommen, wollte bald noch weiter nach Osten ziehen, nach Hongkong oder Singapur. „Aber die zwei Jahre in Moskau haben mir gezeigt, dass man hier viel auf die Beine stellen und gutes Geld verdienen kann“, erzählt der Volkswirt. Mit Mitte dreißig fing er an, die SCHNEIDER GROUP aufzubauen. Aus einer Geschäftsidee und drei Mitarbeitern machte er in nur eineinhalb Jahrzehnten ein Unternehmen mit fünfhundert Angestellten und Büros in sechs Ländern. 

"Alles andere übernehmen wir."

Die SCHNEIDER GROUP berät deutsche und westliche Firmen beim Geschäft in Russland, Belarus, Kasachstan, Polen, Usbekistan, Armeinen und der Ukraine. Wobei es nicht allein bei der Beratung bleibt. „Um auf den russischen Markt zu kommen, braucht man ein Spitzenprodukt und Geld für die Anfangsinvestition. Alles andere übernehmen wir“, sagt Schneider. 

Sein Unternehmen organisiert zum Beispiel den Vertrieb, solange der Kunde keine eigene Tochtergesellschaft in Russland gegründet hat. Später kümmert sich die SCHNEIDER GROUP um Arbeitsvisa, berät in juristischen Fragen, hilft bei der Unternehmensgründung und stellt Büros in der eigenen Zentrale in Moskau zur Verfügung.


In der Moskauer Zentrale der SCHNEIDER GROUP.

Der größte Bereich ist die Buchhaltung.

Die Räume werden auch an Kunden vermietet.

Der größte Geschäftsbereich aber ist die Buchhaltung, die meist auch dann noch die Schneider Group erledigt, wenn die russischen Töchter der Kunden erwachsen geworden sind. Damit seine Mitarbeiter Bilanzen und Jahresabschlüsse erstellen, brachten die Klienten anfangs jede Woche ihre Quittungen im Schuhkarton.

"Russland hat in diesem Bereich riesige Fortschritte gemacht."

Heute senden sie die Belege elektronisch. Sie werden automatisch erfasst und online ans Finanzamt übermittelt.  „Russland hat in diesem Bereich riesige Fortschritte gemacht“, schwärmt Schneider. Neue Gesetze und technische Möglichkeiten sorgen für mehr Transparenz, aber auch die Mentalität der Buchhalter ändere sich. Weniger sowjetisch sei das Denken geworden. 

„Russische Buchhalter wollen nicht nur Dokumente abarbeiten, sondern auch Finanzprozesse managen“, sagt Schneider. Überhaupt findet er für seine russischen Angestellten viel Lob. „Wenn es darauf ankommt, sind sie bereit mit großem Einsatz rund um die Uhr zu arbeiten. Da haben die Russen uns im Westen viel voraus“, so der Chef. Er verlangt sich und seiner Mannschaft viel ab. Er geht an die Grenzen und er will auch politische Grenzen überwinden.

Schwierig wurde das für ihn, als seine Büros in Moskau und Kiew wegen des Krieges in der Ostukraine und des Streits um die Krim nicht mehr miteinander kommunizierten. Einen Ausweg fand er Mitte 2014 auf dem Höhepunkt der Ukrainekrise im Nachtzug von Kiew nach Moskau. „Wir fahren für den Frieden“, erklärte ihm die russische Schaffnerin und servierte ein Glas ukrainischen Wodka. Da wollte auch er unbedingt „für den Frieden fahren“ und lud seine Mitarbeiter zu einer Radtour ins russisch-belarussisch-ukrainische Dreiländereck ein. Die Kollegen kamen ins Gespräch, das Klima zwischen seinen russischen und ukrainischen Mitarbeitern wurde wieder besser.


Ein solches Ergebnis wünscht der Geschäftsmann sich auch in größerem Rahmen. 

Er träumt von einem Wirtschaftsraum, der von Wladiwostok an der russischen Pazifikküste bis zum Atlantik nach Lissabon reicht. Diese Vision geht auf Nursultan Nasarbajew zurück, den Präsidenten von Kasachstan.

So könnten sich auch die verfeindeten ehemaligen Bruderstaaten Russland und Ukraine wieder näherkommen, findet Schneider. Er ist Mitgründer des Arbeitskreises „Wirtschaftsraum Wladiwostok-Lissabon“, dem auch die Deutsch-Russische Auslandshandelskammer (AHK) angehört und dem zahlreiche deutsche Firmen beigetreten sind, darunter Siemens, Allianz, Metro und Knauf.

Schneider setzt sich für Verständigung ein.

Er führt Gespräche.

Und fährt für den Frieden auch Fahrrad.

„Die internationale Verständigung liegt mir am Herzen“, begründet Schneider seinen Einsatz für diese Initiative und seinen Einstieg beim OWC Verlag für Außenwirtschaft. Dessen Publikationen informieren über die Wirtschaft in Osteuropa, China und inzwischen auch Iran. 

Ob es ihn doch noch weiter nach Osten ziehen wird? Er ist selten länger als zwei Tage am Stück an einem Ort „und wäre am liebsten überall gleichzeitig“, erklärt er. 

Das schafft selbst Ulf Schneider nicht. Aber manchmal sieht er sich die Welt zumindest aus einer „übergeordneten Perspektive“ an, wie er sagt. 

Vor ein paar Jahren hat er eine Pilotenlizenz gemacht, um einen Freund ans Nordkap zu begleiten. Nun steigt der Überflieger ab und zu in eine Cessna und fliegt über alle Grenzen hinweg.

Fotos: Hans-Jürgen Burkard, Evgeny Kondakov 

Die Russland-Meister auf enen Blick

MR

MR

Regensburger Weltmarktführer kommt als Start-up in den Ural

– Mehr...
Globus

Globus

Ein Familienunternehmen aus dem Saarland bietet Russland eine große Auswahl an heimischen Lebensmitteln

– Mehr...
Knauf

Knauf

Wie ein Familienunternehmen zur Brücke zwischen Deutschland und Russland wurde

– Mehr...
Feedback
Kontakt
Haus der deutschen Wirtschaft
Business-Center Fili Grad, Beregovoy Proezd 5A K1, Etage 17, 121087 Moskau. Fili
Google Map
Telefon:

+7 495 234 49 50

Fax:

+7 495 234 49 51

Danke für Ihre Anfrage!