Pandemie als Digitalisierungsbooster: GRID zieht Bilanz

Die Corona-Pandemie hat die digitale Transformation von Unternehmen beschleunigt.

Pandemie als Digitalisierungsbooster: GRID zieht Bilanz

Bei einer Podiumsdiskussion der Deutsch-Russischen Initiative zur Digitalisierung der Wirtschaft (GRID) erörterten Vertreter von Großunternehmen und führenden Softwareherstellern die Perspektiven der deutsch-russischen Digitalkooperation und tauschten Erfahrungen beim Einsatz moderner Technologien in der Pandemie aus. Die virtuelle Diskussion war die erste offizielle Veranstaltung des vor kurzem gestarteten Deutsch-Russischen Themenjahres „Wirtschaft und nachhaltige Entwicklung“.

Michael Harms, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, fasste in seinem Grußwort die Ergebnisse des Jahres 2020 zusammen. Dabei stellte er fest, dass die Teilnehmer der Deutsch-Russischen Initiative zur Digitalisierung der Wirtschaft (GRID) die Herausforderungen der Pandemie erfolgreich gestemmt hätten. Die digitale Transformation sei zum wichtigsten Trend der Geschäftsentwicklung geworden.

Unterstützung aus Politik 

Laut Harms wird die russische IT-Branche zunehmend attraktiver für deutsche Unternehmen. Das bedeute, dass die Digitalisierungsinitiative nicht nur auf wirtschaftlicher, sondern auch auf politischer Ebene mit Unterstützung rechnen könne. Dieser Einschätzung stimmte Sergey Mytenkov, Vize-Präsident des Russischen Verbandes der Industriellen und Unternehmer (RSPP), zu: Die russische Regierung habe in der letzten Zeit viel dafür getan, damit „die IT-Branche zu einer Lokomotive für die wirtschaftliche Entwicklung“ werde. Ein Beweis dafür sei die Senkung der Gewinnsteuer und der Sozialversicherungsbeiträge für IT-Unternehmen ab dem 1. Januar 2021 in Russland.

Valentin Makarov, Präsident des Russischen Verbandes der Softwareentwickler Russoft, sei sich sicher, dass Russland dank den staatlichen Vergünstigungen zu einem der besten Standorte für die Softwareentwickler weltweit werde. Nach der Senkung würden die Steuern für die Softwareentwickler in Russland etwa um vier Fünftel niedriger als in Deutschland sein, was zahlreiche europäische Unternehmen auf den russischen Markt locken könnte. Dadurch könnte die IT-Industrie im kommenden Jahr um 15 bis 20 Prozent zulegen, hofft Makarov. Ein weiterer Vorteil des russischen Marktes sei die Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte. „Was die Professionalität angeht, sind wir auf Augenhöhe mit den führenden europäischen Ländern und den USA“, ergänzte er.

Russischer Markt im Wandel

Marco Brey, Strategieleiter für Russland, Belarus und Zentralasien von Siemens, stellte fest, dass der Sektor der B2C-IT-Dienstleistungen in Russland deutlich schneller wachse als in Deutschland. Der Trend, eigene Softwareprodukte zu entwickeln, habe auch das größte Flächenland der Erde erreicht. Laut Brey hält die Technologie der intelligenten Stromnetze Smart Grid und Smart-City-Lösungen für die Automatisierung der städtischen Immobilienwirtschaft Einzug auf dem russischen Markt. Ein großes Problem der russischen IT-Branche sei aber, dass sie nur schwach mit der realen Produktion verknüpft sei.

„Um dieses Problem zu bewältigen, muss eine engere Verknüpfung zwischen Spezialisten vor Ort und den Softwareentwicklern sichergestellt werden“, gab Alexander Smolensky, Generaldirektor der Digitalen Industrieplattform, zu bedenken. Er berichtete, dass das IT-Unternehmen Zyfra und das Ölunternehmen Gazprom Neft ein Joint Venture gegründet hätten, um eine engere Zusammenarbeit zwischen den Programmierern und Spezialisten der Öl- und Gasindustrie in die Wege zu leiten. Smolensky sprach auch darüber, wie Produktionsprozesse mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI) optimiert werden können. Maschinelles Sehen etwa biete die Möglichkeit, nicht nur die Produktivität im Betrieb zu steigern, sondern auch die Einhaltung der pandemiebedingten Abstandsregeln in der Belegschaft zu kontrollieren.

Wer nicht digitalisiert, ist weg vom Fenster

Aus Sicht Sergey Karpunichevs, Bereichsleiter Discrete Manufacturing von SAP CIS, stellte die Pandemie viele Unternehmen vor die Wahl: Entweder auf digitale Arbeitsabläufe umstellen oder sich komplett vom Markt zurückziehen. Viele Prozesse seien in der Corona-Krise anders. Gewinner seien Unternehmen, die sich schneller als die Konkurrenz an die neuen Bedingungen angepasst hätten. Karpunichev berief sich auf eine Studie des Beratungsunternehmens Brand Finance, wonach besonders innovative und technologisch fortschrittliche Unternehmen nicht nur ohne große Verluste durch die Corona-Krise gekommen sind, sondern sogar ihren Marktwert steigern konnten. Zu den Technologien, welche die Risiken der digitalen Transformation minimieren können, zählte der Redner Blockchain, mit der alle Phasen der Geschäftsprozesskette im Auge behalten werden können.

Dmitrij Fedoseyenko, Bereichsleiter Industrial Management and Automation von Phoenix Contact Rus, informierte über weitere Möglichkeiten der digitalen Anpassung an die neuen Bedingungen. Zur Unterstützung seiner Mitarbeiter habe der Elektrokomponentenhersteller, der erst vor kurzem der GRID beigetreten ist, Trainingsvideos erstellt. Zudem habe Phoenix Contact zwei wichtige Ausstellungen virtuell durchgeführt. Fedoseyenko zufolge bieten digitale Formate viele Vorteile und werden deshalb „auch in den kommenden Jahren im Betriebsplan des Unternehmens bleiben.“

Yury Kurylovich, Generaldirektor von Bosch Rexroth Russia, berichtete über einen von seinem Unternehmen entwickelten Infos- und Schulungstand, der den IT-Sektor und die Industrie enger miteinander verzahnen soll. Der Stand sei vollintegriert in SAP-Software. Die digitale Zusammenarbeit mit SAP sei nur mit GRID-Unterstützung möglich geworden.

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