Putins grüne Revolution

Bereits vor sechs Wochen beim Klimagipfel, zu dem der amerikanische Präsident Joe Biden Ende April eingeladen hatte, bekannte sich der russische Präsident Wladimir Putin so eindringlich zum Kampf gegen die Erderwärmung, dass Biden Putin, den er zuvor noch einen „Mörder“ genannt hatte, für dessen „ermutigende“ Kooperationsbereitschaft lobte.

Putins grüne Revolution

Wenige Tage vor dem Treffen der beiden Präsidenten am 16. Juni in der Schweiz präzisierte Putin auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg (SPIEF) Vorstellungen und kündigte an, dass Russland seine Treibhausgase bis 2050 stärker reduzieren werde als die Europäische Union.

„Ich höre oft, dass Russland nicht wirklich an der Lösung der globalen Umweltprobleme interessiert sei“, beklagte Putin in seiner Rede und betonte, dies sei „Unsinn“. Russland verstehe die Risiken des Klimawandels. 

Russland werde den Netto-Ausstoß seiner Treibhausgase radikal reduzieren. Die Emission von Treibhausgasen solle bis 2030 auf 70 Prozent der Menge von 1990 sinken.

Wladimir Putin, Präsident der Russischen Föderation

Ich höre oft, dass Russland nicht wirklich an der Lösung der globalen Umweltprobleme interessiert sei, dies sei Unsinn. Russland verstehe die Risiken des Klimawandels. Das Schicksal unseres gesamten Planeten, die Entwicklungsperspektiven jedes Landes, das Wohlergehen und die Lebensqualität der Menschen hängen maßgeblich vom Erfolg dieser Bemühungen ab

Wladimir Putin, Präsident der Russischen Föderation

Russland unterstütze die Umsetzung der UN-Klimarahmenkonvention (UNFCCC), des Kyoto-Protokolls und des Pariser Abkommens, die auf eine Erderwärmung von maximal 1,5 Grad zielen. Laut Putin tragen alle Länder „eine gemeinsame Verantwortung für die moderne Welt und das Leben der zukünftigen Generationen.“

 Präsident Putin zeigte sich „sicher, dass aufgrund der Größe, der Lage und der Rolle Russlands in der Welt Umwelt- und Klimaprojekte in unserem Land auf Jahrzehnte hinaus eine führende Rolle bei den weltweiten Bemühungen um den Klimawandel spielen werden.“

Russlands wolle den kumulierten Netto-Ausstoß von Treibhausgasen bis 2050 stärker zu reduzieren als die Länder der Europäischen Union.

Seine Regierung beauftragte Putin, bis zum 1. Oktober dazu einen detaillierten Aktionsplan zu erstellen und bis Juli 2022 den Rechtsrahmen für Klimaprojeke auf föderaler und regionaler Ebene zu schaffen.

 In der Fernost-Region Sachalin läuft bereits ein Pilotprojekt für Emissionshandel.  „Dieses Experiment wird ein Schritt in Richtung CO2-Neutralität sein, in Richtung der Schaffung eines nationalen Emissionshandelssystems", sagte der Präsident. 

Ein groß angelegtes Emissionshandelssystem könnte russischen Rohstoffexporteuren zugutekommen: So ließen sich finanzielle Verluste durch die von der EU geplanten CO2-Grenzsteuer minimieren. Voraussetzung ist allerdings, dass russische CO2-Zertifikate in der EU anerkannt werden. Russland wird deshalb wohl versuchen, darüber mit der EU zu verhandeln. Aus diesem Dialog könnte eine Energiepartnerschaft wachsen, die gegenseitige Anerkennung von CO2-Zertifikaten die Grundlage für russisch-europäische Projekte im Bereich der CO2-Abscheidung und -Speicherung bilden und zur Verwendung von „blauem“ Wasserstoff führen.

Laut Putin reiche die Reduzierung der Emissionen allein nicht aus, um das Problem der Erderwärmung zu lösen. Eine wesentliche Rolle spielen Russlands Wälder, Tundra, Ackerland und Sümpfe. Denn diese natürlichen Filter absorbieren Treibhausgase in gewaltigem Umfang, unabhängig davon, wo sie entstehen. Russlands Wälder umfassen fast 10 Millionen Quadratkilometer, ein Fünftel der Wälder des Planeten.

Die Aufnahmekapazität des russischen Ökosystems wird von Experten auf 2,5 Milliarden Tonnen Kohlendioxidäquivalent geschätzt. Russland hat großes Interesse daran, dass diesem Klimabeitrag Rechnung getragen wird. Um die Aufnahmekapazität von Wäldern, Böden und Gewässern in den UNFCCC-Treibhausgasberichten zu berücksichtigen, soll die bestehende Quantifizierungsmethodik revidiert und international harmonisiert werden.

Experten schätzen den Jahresumsatz des entstehenden russischen Klimamarktes bereits in naher Zukunft auf mehr als 50 Milliarden Dollar.

Putin forderte eine „umfassende technologische Erneuerung der gesamten Wirtschaft und Infrastruktur“, die gerade dank Klimaprojekten möglich ist. „Die Einführung solcher Projekte erfordert Anreize durch Marktinstrumente“, sagte Putin. Zu diesen gehöre die Entwicklung eines Green-Finance-Marktes in Russland.

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