Russischer Arzneimittelmarkt im Zeichen der Corona-Krise: Innovationen und Probleme

„Die Pharmaindustrie zählt zu den sozial bedeutsamsten Wirtschaftszweigen.“ Mit diesen Worten eröffnete InPharma-Exekutivdirektor Vadim Kukava auf dem Deutsch-Russischen Branchenforum der AHK ein Diskussionspanel über Entwicklungsperspektiven der Pharmaindustrie in Russland. Hochrangige Vertreter der russischen Gesundheitswirtschaft, darunter Minister und Topmanager, nahmen an der Diskussion teil.

Russischer Arzneimittelmarkt im Zeichen der Corona-Krise: Innovationen und Probleme

Guzel Ulumbekova, Geschäftsführerin der Hochschule für Organisation und Management des Gesundheitswesens, bewertete die allgemeine Lage auf dem Markt und gab praktische Empfehlungen. Sie attestierte dem russischen Medikamentenmarkt einen Rückstand hinter den Industrieländern und schlug vor, „zivilisierte Spielregeln“ auszuarbeiten und mit vereinten Anstrengungen ein System der allgemeinen Medikamentenversorgung aufzubauen.

Vadim Kukava, der die Diskussion moderierte, verwies darauf, dass die Pharmaindustrie sehr empfindlich auf Konjunkturwandel reagiere. Wer im Pharmageschäft erfolgreich sein wolle, müsse den Markt gut kennen.

Als ein weiteres Problem für die Pharmaindustrie wurde die von der russischen Regierung 2017 eingeführte Markierungspflicht angesprochen. Laut Oliver Köhncke, Geschäftsführer von Boehringer Ingelheim, wird es den deutschen Unternehmen, die mit dem europäischen Track & Trace-System vertraut sind, nicht schwerfallen, sich an die russischen Standards anzupassen. Viel schlimmere Probleme seien der unzureichende Schutz geistigen Eigentums sowie Hindernisse bei der Lokalisierung der Hightech-Produktion seltener Medikamente, urteilte Köhncke, der auch stellvertretender Vorsitzender des AHK-Komitees Pharma und Gesundheitswesen ist.

Merck-Generaldirektor Matthias Wernicke erzählte über die Erfolgsformel seines Unternehmens und erwähnte dabei ein Positionspapier der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer zur Serialisierung (Track & Trace) von pharmazeutischen Produkten in der Russischen Föderation. Darin geht es um Probleme, welche Arzneimittelhersteller daran hindern, ihre Produkte rechtzeitig in den Verkehr zu bringen.

Obwohl die Player auf dem Pharmamarkt rechtzeitig die kostspieligen Anlagen zur Serialisierung von Pharmaverpackungen gekauft und die benötigten IT-Lösungen für den Anschluss an das Überwachungssystem MDLP implementiert haben, häufen sich bei der Nutzung des Systems Probleme an, heißt es im Positionspapier. Um die damit verbundenen Risiken für Unternehmen zu minimieren, schlug die Kammer konkrete Schritte vor.

Sie regte unter anderem die Gründung einer Arbeitsgruppe zur Bewertung des Ist-Zustandes und der Funktionsfähigkeit des MDLP-Systems mit Vertretern föderaler Exekutivbehörden und von Branchenverbänden an. Der Meldemodus für Nutzer des MDLP-Systems sollte bis zur Bestätigung seiner uneingeschränkten Funktionsfähigkeit durch die oben genannte Arbeitsgruppe nicht später als bis zum 1. Januar 2022 eingeführt werden. Technische Fehler würden dazu führen, dass Patienten und Ärzte die lebenswichtigen Arzneimittel nicht rechtzeitig bekämen, so die AHK in ihrem Positionspapier.

Ivan Semenov, Vize-Präsident der Unternehmensgruppe R-Pharm, die in Bayern produziert, verglich die rechtlichen Aspekte im Russland- und Deutschland-Geschäft und stellte fest, dass es auf dem russischen Markt nicht genügend Regeln gebe, um ein Monopol zu verhindern. Ihm pflichtete Alexander Bezborodov bei, Rechtsanwalt und Partner BEITEN BURKHARDT Moskau.

Viele Diskussionsteilnehmer waren sich darüber einig, dass die Politik der russischen Regierung auf dem Arzneimittelmarkt reformiert werden muss. Davon könnten laut Vadim Kukava sowohl Wirtschaft als auch Verbraucher profitieren.

Feedback
Kontakt
Business-Center Fili Grad, Beregovoy Proezd 5A K1, Etage 17, 121087 Moskau. Fili
Google Map
Telefon:

+7 495 234 49 50

Fax:

+7 495 234 49 51

Danke für Ihre Anfrage!