SWIFT-Ausschluss Russlands: Wahrscheinlichkeit und Auswirkungen

Ein Ausschluss Russlands vom internationalen Zahlungsnachrichtensystem SWIFT ist keine rein hypothetische Möglichkeit mehr.

SWIFT-Ausschluss Russlands: Wahrscheinlichkeit und Auswirkungen

Als die im belgischen La Hulpe ansässige SWIFT-Genossenschaft nach eigenen Angaben 2014 „aufgerufen“ wurde, nicht nur Russland, sondern auch Israel „abzuschalten“, weigerte sie sich damals einen solchen Schritt zu tun, auch weil die EU sich nicht dafür entschied. In der Wahlkampagne von US-Präsident Joe Biden gab es Spekulationen, ob seine Administration sich zu einem solchen Schritt entschließen könnte. Vor knapp drei Wochen beschloss das Europäische Parlament eine Resolution, in der es für den Fall eines militärischen Angriffs Russlands auf die Ukraine seinen SWIFT-Ausschluss fordert. 

Es gilt als unwahrscheinlich, dass Russland von SWIFT abgekoppelt wird, wie dies 2018 in Bezug auf den Iran geschah. Denn sowohl die Zahl als auch das Volumen der Überweisungen Russlands liegt weit über dem des Iran. Russland gehört zu den Top-Kunden des Systems. Dennoch nimmt die politische Führung Russlands die Bedrohung durch eine SWIFT-Abschaltung ernst.

So wies der stellvertretende Außenminister Alexander Pankin in einem Interview vom 5. April darauf hin, dass Russland im Zahlungsverkehr mit Partnerländern verstärkt auf alternative, von den USA unabhängige Nachrichtensysteme setzt. Gemeint sind damit das 2014 durch die Zentralbank entwickelte System SPFS und analoge Systeme in Europa (SEPA), China (CUP und CIPS) und Iran (SEPAM).

Eine verstärkte Nutzung von Alternativen zu SWIFT sei eine Reaktion auf die „geopolitischen Gegebenheiten“, so die Sicht der russischen Regierung. Zudem bekundet Russland sein Interesse an einer Entmonopolisierung des internationalen Zahlungsverkehrs. Russland ist darin interessiert, die dominierende Rolle der USA im Weltfinanzsystem zu reduzieren. 

Nach Zentralbank-Angaben war es Russland 2020 gelungen, den Anteil der Zahlungsnachrichten, die über SPFS ausgetauscht werden, im Vergleich zu 2019 um 80 Prozent zu erhöhen.

Das hatte zur Folge, dass Banken und Unternehmen innerhalb Russlands bereits jede fünfte Nachricht über das System verschickten. Auch ausländische Finanzinstitute, darunter deutsche und Schweizer Banken, beginnen SPFS zu nutzen. Die Gesamtzahl der Nutzer lag per Ende 2020 laut Olga Skorobogatowa, der ersten Stellvertreterin von Zentralbank-Chefin Elwira Nabiullina, vorerst bei 400. SWIFT wird hingegen von über 11.000 Finanzinstituten in Anspruch genommen. 

Da rund zwei Drittel aller SWIFT-Transaktionen weltweit in US-Dollar getätigt werden, hätten eine Abkopplung und eine Umschaltung Russlands auf alternative Systeme wie SPFS gravierende Folgen:  

Die Folgen eines SWIFT-Ausschlusses Russlands bei gleichzeitiger Abkopplung russischer Kunden von Online-Bankdiensten oder einer Sperrung ihrer Korrespondenzkonten bei ausländischen Banken wären schwerwiegend. Das zeigt das Beispiel des Iran. In einem solchen Szenario wäre ein Kollaps nicht nur des russischen, sondern auch des globalen Finanzsystems eine konkret drohende Gefahr. Das Wissen um dieses Risiko macht es aktuell unwahrscheinlich, dass es zu einem solchen dramatischen Schritt kommt. / RIA (RU), TASS (RU)


Feedback
Kontakt
Business-Center Fili Grad, Beregovoy Proezd 5A K1, Etage 17, 121087 Moskau. Fili
Google Map
Telefon:

+7 495 234 49 50

Fax:

+7 495 234 49 51

Danke für Ihre Anfrage!