Waldemar Kolodziej: „Kein Schritt zur Massenproduktion“

Waldemar Kolodziej, CEO von Elekta in Russland, über die Entwicklung der Medizintechnikbranche und seinen Abschied aus Russland.

Waldemar Kolodziej: „Kein Schritt zur Massenproduktion“

Herr Kolodziej, wann waren Sie das erste Mal in Russland?

1997 in Moskau. Es war kalt, dunkel und die Straßen hatten große Löcher im Asphalt. Ich arbeitete damals für Siemens und wohnte die ersten Tage zusammen mit meiner Frau Heidi ganz in der Nähe von Siemens in einem alten, spartanisch eingerichteten Gebäude des Danilow-Klosters. Es war ein sehr eigenartiges Gefühl so innerhalb der Klostermauern, und ich habe mich gefragt, warum es so wenig Hotels in der russischen Hauptstadt gibt.

Wie hat sich Moskau verändert?

Unglaublich stark zum Positiven. Als Ende der Neunzigerjahre die ersten Pläne für das neue Geschäftsviertel Moskau City präsentiert wurden, hat niemand so recht geglaubt, dass das jemals gebaut wird. Und jetzt steht es da. Moskau ist heute eine sehr lebenswerte Stadt. Die Straßen sind gut, die Häuser sind nicht mehr grau. Alles ist freundlicher und sicherer.

Wie haben Sie sich damals im Verband der deutschen Wirtschaft (VDW) engagiert, dem Vorgänger der AHK?

Ich gehörte 1997 zu den Gründungsmitgliedern des VDW-Komitees Gesundheitswesen. Damals stand Andrea von Knoop dem Verband vor, die heute Ehrenpräsidentin der AHK ist. Während der Krise im Jahr 1998 hatten viele Firmen Probleme und mussten Personal entlassen.

Wie sah die Arbeit des Komitees Gesundheitswesen damals aus?

Es war wichtig, dass wir zusammenkommen, uns untereinander vernetzen. Vor allem eine Frage beschäftigte uns: Wie lässt sich der Gesundheitssektor und unser Geschäft in Richtung freiere Marktwirtschaft entwickeln. Damals lief eigentlich alles über Distributoren oder Agenten. Alles drehte sich um Großaufträge mit Summen von 80, 100 oder 300 Millionen D-Mark, die von Hermes abgesichert worden waren. Es war ein Abenteuer, in den fernen Osten Russlands zu fliegen, weil der Flugverkehr und die Logistik nicht so entwickelt waren wie heute.

Worüber wird heute im AHK-Komitee Pharma und Gesundheitswesen gesprochen?

Ein wichtiges Thema ist das staatliche Kostenerstattungsprogramm, vergleichbar mit den Abrechnungssätzen in Deutschland. Der Staat hat die Erstattungsquote gerade auf bis zu 70 Prozent reduziert. Krankenhäuser kommen damit noch halbwegs zurecht. Für private Anbieter ist das oft eine Katastrophe. Die große Frage ist, ob das Gesundheitssystem wieder zentraler organisiert wird, oder ob der Weg in eine freiere Wirtschaft mit Privatinvestitionen beschritten wird.

Was ist besser geworden?

Eindeutig der Vertrieb. Es gibt mehr Wettbewerb und öffentliche Ausschreibungen mit mehr Transparenz.

In den Neunzigerjahren haben deutsche und andere ausländische Firmen Medikamente und Medizintechnik nach Russland exportiert. Wer hat inzwischen eine Produktion in Russland aufgebaut?

Der amerikanische Konzern GE Healthcare hat gerade mit dem russischen Staatskonzern Rosatom einen Vertrag für die Herstellung von Magnet-Resonanz-Tomographen geschlossen. Wir von Elekta, zusammen mit Rusatom Healthcare, starten dieses Jahr die Produktion von Hightech-Linear-Beschleunigern. Es passiert schon etwas, aber in großem Stil wird in Russland immer noch nicht produziert. Es gibt gute Ideen und Ansätze, eigene Produkte zu entwickeln. Doch der Schritt vom Prototyp zur Massenproduktion ist noch nicht gemacht.

Warum ist die Mitgliedschaft in einem Wirtschaftsverband wie der AHK für Sie wichtig?

Die Kammer setzt sich dafür ein, gemeinsame Anliegen und Interessen politisch durchzusetzen. Das macht die AHK ausgezeichnet.

Mit welchen Gefühlen verlassen Sie in diesem Jahr nach 25 Jahren Berufstätigkeit Russland?

Mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Russland wird mir fehlen. Ich habe mein Herz an Moskau verloren. Ich fühle mich hier wie zu Hause. Ich bin seit mehr als 35 Jahren im Gesundheitswesen tätig. In dieser Zeit haben sich die Krankenhäuser nicht nur in Moskau, sondern in ganz Russland enorm weiterentwickelt. Ein Beispiel: Vor 23 Jahren traute man sich nicht auf die verschmutzen und fürchterlich stinkenden Toiletten in den Kliniken, davon kann heute absolut nicht mehr die Rede sein.

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