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Josef Gartner GmbH

Türme mit Charakter

Wie ein Fassadenbauer aus Bayern Russlands spektakulärste Gebäude verkleidet

Am westlichen Stadtrand von Sankt Petersburg sieht es aus wie im biblischen Babel. Ein gewaltiger Turm wächst gen Himmel. Das höchste Gebäude Europas. Wer sich ihm nähert, hört schon auf den Gehwegen ein babylonisches Stimmengewirr: Russisch natürlich, Englisch und manchmal auch Deutsch. Die Sprachen bringen die beteiligen Firmen mit auf die Baustelle.

Nicht nur die Arbeiter kommen aus vielen Ländern, aus aller Welt kommen auch Ideen und Material für die neue Zentrale von Gazprom: Der Architekt ist Brite, am Kellergeschoss arbeitete eine Firma aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Den sichtbarsten Teil des 462 Meter hohen Turms aber, die Glasfassade, lieferte das bayerische Unternehmen Josef Gartner.

„Das ist ein Auftrag, der uns sehr geprägt hat“, sagt Gartner-Geschäftsführer Jürgen Wax. Für die Verglasung der Innen- und Außenwände hat seine Firma 16 600 Einzelteile aus Aluminium, Stahl und Glas angefertigt.

Laien würden dazu „Fenster“ sagen, Profis sprechen von Elementen, aus denen die komplette Gebäudehülle besteht.

Der Name Gartner ist vor allem Branchenkennern ein Begriff. Doch die Gebäude, für die das Unternehmen gläserne Gewänder geschaffen hat, kennen Millionen: die Elbphilharmonie in Hamburg oder den 299 Meter hohen Commerzbank Tower in Frankfurt am Main. Jetzt verkleidet Gartner in Sankt Petersburg den Turm des Lachta-Zentrums, benannt nach dem Stadtteil am Finnischen Meerbusen.

Das vor 150 Jahren gegründete Unternehmen aus Gundelfingen an der Donau, das seit 2001 zum italienischen Konzern Permasteelisa gehört, hielt schon in den vergangenen Jahrzehnten Ausschau nach Projekten in Russland.

„Dann fragte Gazprom an, ob wir die Fassade der neuen Zentrale bauen können“, sagt Andreas Bachmann, Generaldirektor von Gartner in Russland.

„Wir nutzten das Projekt als Einstieg in den russischen Markt.“

Bachmann war nach der Gründung der russischen Tochter der einzige Mitarbeiter im Land und Gazprom der einzige Kunde. „Es war Krisenzeit. Kein einziger Kran drehte sich in Moskau“, erinnert er sich. Das war 2009, als die weltweilte Finanzkrise Russland besonders hart traf.

Zwei Jahre später war die Flaute zu Ende. Die Wirtschaft erholte sich, im ganzen Land wurde wieder gebaut. Bachmann schloss Verträge für drei Großprojekte: für den Neubau des weltberühmten Mariinski-Theaters in Sankt Petersburg und in Moskau für das Penthouse auf dem Mercury City Tower und für den Evolution Tower.

Auf den ist das Team von Gartner besonders stolz, weil sich die Fassade wie zwei ineinander gedrehte Stränge einer DNA um den Kern des Gebäudes in die Höhe schraubt.

Die extravagante Architektur hat den Turm zum Wahrzeichen des neuen Moskauer Geschäftsviertels gemacht.

Für die Aufträge mussten Bauleiter und Techniker her, aus einem Mitarbeiter wurden dreißig, in der Hochphase der Arbeiten am Lachta-Zentrum sogar knapp zweihundert. Mittlerweile ist Josef Gartner in Russland der Marktführer für komplexe Glasfassaden.

Auf der Großbaustelle in Sankt Petersburg wurde rund um die Uhr gearbeitet. Im Sommer nutzten die Baufirmen die weißen Nächte, in denen die Sonne in der nördlichen Metropole nur für kurze Zeit untergeht. Im Herbst und Winter halfen Scheinwerfer. Zwei Teams brachten die Gartner-Elemente an. Eines arbeitete sich von unten empor, das andere begann gleichzeitig ab der 50. Etage aufwärts.

„Kein schlechter Arbeitsplatz“, sagt einer der Bauarbeiter an einem sonnigen Herbsttag und nutzt seine Pause für ein Selfie mit Ausblick vom 48. Stock. Hinter ihm wird geschweißt, die Funken blitzen im dunklen Turmgerippe. Zwei Alpinisten bereiten sich mit Klettergurten und Karabinerhaken auf ihren Einsatz vor. In zweihundert Metern Höhe hängen sie wenige Minuten später an der Fassade und befestigen die Glaselemente, die bis zu einer Tonne wiegen und von Kränen in die Höhe gehievt werden.

Lastwagen bringen die Glaselemente aus dem zwanzig Kilometer entfernten Werk. Gartner hat es aufgebaut, um die Rahmen und Scheiben zusammenzuschrauben – mit vier mal drei Metern waren die Elemente zu groß für den Transport aus Gundelfingen.

Ähnlich ging Gartner beim Evolution Tower vor, für den russische Metallprofile und deutsches Glas bei einem einheimischen Partner zusammengebaut wurden.

„In Deutschland konstruiert, in Russland produziert“, nennt Bachmann das Konzept.

Im Petersburger Werk waren die Mitarbeiter anfangs nervös, als das Glas in Holz- und Stahlboxen aus Deutschland ankam. „Wir hatten Angst, dass etwas zu Bruch geht“, erzählt Werksleiter Jurij Obuchow. Die meisten hatten zuvor für andere Unternehmen Autoteile zusammengebaut.

Mittlerweile haben sie sich an das zerbrechliche Material gewöhnt und auch an die verschiedenen Winkel und Formen. Selbst wenn der Lachta-Turm nicht ganz so extravagant wirkt wie der verdrehte Evolution Tower, hat jedes Fassadenelement seine Eigenheiten. Das Glas ist gebogen, jedes Element ist anders verdreht und geschnitten.

„Gerade und unkompliziert, das wäre ja langweilig“, heißt es bei Josef Gartner. Die Firma liebt eben Türme mit Charakter.

Fotos: Evgeny Kondakov

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