Rhenus

Lotsen durch das Nadelöhr

Wie ein deutsches Logistikunternehmen zu einem Zollterminal an der russischen Grenze kam

Zwei Kontinente, neun Zeitzonen und eine Fläche fast fünfzig Mal so groß wie Deutschland – allein schon Russlands Dimensionen sind eine Herausforderung für jeden, der etwas durch das größte Land der Erde transportieren will. Dabei ist vor allem die Wirtschaft darauf angewiesen, dass Güter trotz Wind, Wetter und oft holprigen Straßen rechtzeitig ans Ziel kommen. 

Für den reibungslosen Fluss der Waren sorgen deshalb Spezialisten wie Rhenus.

Der Logistikdienstleister wurde vor mehr als hundert Jahren für den Schiffstransport auf dem Rhein gegründet, den die alten Römer „Rhenus“ nannten. Heute beschäftigt die Rhenus-Gruppe mehr als 28 000 Mitarbeiter und bewegt weltweit Güter nicht nur zu Wasser, sondern auch zu Lande und in der Luft. In Russland übernimmt sie die Logistik für einheimische und internationale Firmen, bringt Ersatzteile, Industriegüter und Kleidung aus Westeuropa oder China ins Land. 

Rhenus-Mitarbeiter arbeiten außerdem für ihre Kunden Routen von Schiffscontainern aus, die über Häfen wie den von Sankt Petersburg nach Russland kommen und auf Straßen oder Schienen zum Ziel gebracht werden. Automobilherstellern wie Volkswagen liefert es die Komponenten direkt auf das Fließband. Und es errichtete als erstes ausländisches Unternehmen ein eigenes Zollterminal an der russischen Grenze.

Wenn Lastwagen Waren aus Westeuropa nach Russland bringen, nehmen sie meist die Fernstraße M1, die von Weißrussland über Smolensk nach Moskau führt. Das erste große Gebäude nach der Grenze ist seit 2013 das Zollterminal von ­Rhenus, hochmodern und ganz in den Unternehmensfarben Blau und Weiß gehalten. „­Container transportieren und Lkw-Fahrten organisieren, das kann jeder. Wir haben das Nadelöhr auf dem Weg nach Russland gesucht, und das war der Zoll“, sagt Olaf Metzger, Geschäftsführer von Rhenus Freight Logistics Russland und somit Chef des Frachtbereichs (im Bild links mit Rhenus-Managern vor dem Zollterminal bei Smolensk).

Die Einfuhr von Waren ist eine noch größere Herausforderung für die Logistiker als Russlands Weiten.

In vielen Bereichen ist es Russland gelungen, das Geschäftsklima zu verbessern. Davon zeugt der Aufstieg des Landes im Ranking der Weltbank „Doing Business“. Doch beim Warenverkehr über die Ländergrenze sieht die Weltbank in Russland noch Verbesserungsbedarf. Das bestätigen die jährlichen Umfragen der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) unter ihren Mitgliedern. 

Für sie bleibt die Zollabfertigung eines der größten Hindernisse für ein besseres Geschäftsklima in Russland. Der Zoll ist streng und kleinste Unstimmigkeiten in den Papieren können zu großen Verzögerungen führen.

Die Idee zu einem Zollterminal in Grenznähe entwickelte Metzger mit Klemens Rethmann, dessen Familie Rhenus gehört. Anstoß war die Entscheidung der russischen Regierung, die Zollämter in die Grenzregionen zu verlegen, um den Großraum Moskau zu entlasten. Die Deutschen sahen das als Chance und suchten den Kontakt zum Föderalen Zolldienst. „Wir mussten bis zum Chef der Behörde vordringen, damit wir die Unterstützung von oben bekamen“, erinnert sich Metzger. Er wollte sichergehen, dass der Standort in der Region Smolensk für das Terminal der richtige ist und ob der Zolldienst genügend Beamte bereitstellen würde. 

Bei den Treffen mit dem Zolldienst waren stets Vertreter der AHK anwesend. 

„Der Schulterschluss mit der Kammer ist uns wichtig, damit wir optimale Bedingungen für den Import der Ware unserer Kunden schaffen können“, so Metzger. Rhenus holte die regionale Regierung mit an Bord und lud den Vize-Gouverneur des Gebiets Smolensk in die Schweiz ein, damit er sich einen Eindruck von einem vergleichbaren Terminal machen konnte.

Dutzende Laster stehen auf dem Parkplatz des Terminals vor Smolensk. Mitarbeiter von Rhenus sehen sich die Lieferpapiere an, stellen sicher, dass die Fernfahrer den richtigen Ort zur Verzollung angefahren haben und prüfen, ob Gewicht, Wert und Zulassung der Waren für den russischen Markt stimmen. Dann übernehmen die Zollbeamten. Sie sitzen im Obergeschoss des Rhenus-Terminals. Wie in einer Behörde sieht es hier aus: Schalter, Glasfenster und Menschen in Uniform. 

Bei zwei Prozent der Lastwagen lassen sie stichprobenartig die Fracht öffnen.

Der Lkw fährt in diesem Fall zur Umschlaghalle und Rhenus-Mitarbeiter entladen ihn, damit der Zolldienst alles auf Herz und Nieren prüfen kann. Doch in der Regel sichten die Beamten nur die Dokumente. Schon nach einigen Stunden rollt die verzollte Fracht weiter Richtung Zentralrussland, wo die meisten Kunden der Rhenus-Gruppe ihren Sitz haben.

Die Lastwagen fahren aber auch zunehmend direkt in den Ural und nach Sibirien. Immer mehr Unternehmen zieht es in die Weiten Russlands, etwa in Sonderwirtschaftszonen, die Investoren eine fertige Infrastruktur und zahlreiche Vergünstigungen bieten. Rhenus hat für diese Gebiete regelmäßige Sammelgutlinien eingerichtet. Das heißt, dass es Sendungen von Kunden in ganz Europa einsammelt, in Hubs nach Zielort sortiert und gebündelt in die Regionen schickt. Damit sich auch die weiten russischen Wege lohnen.

Fotos: Evgeny Kondakov 

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