Schaeffler

Meister der Bewegung

Schaeffler wird an der Wolga heimisch

Bei Schaeffler weiß man, dass es auf die kleinen Dinge ankommt. Dass kein Fahrzeug fahren und kein Bohrer bohren, kein Rollschuh rollen und keine Waschmaschine waschen würde ohne Lager. Sie sind oft winzig. „Aber sie bewegen die Welt und sind zugleich eine Welt für sich“, wie Maxim Shakhov sagt, der Schaeffler in Russland leitet.

Gleitlager und Wälzlager zählen zu den bekannteren Produkten des Unternehmens, dessen Kunden Industriebetriebe in verschiedenen Branchen sind, von Windkraft bis Schwerindustrie. An Automobilhersteller liefert Schaeffler zum Beispiel Bestandteile von Motoren, Getrieben und Fahrwerken. „Wir machen die Komponenten der Komponenten“, erklärt Shakhov.

Dazu zählen auch Kupplungen und Bauteile für Schaltgetriebe, die Schaeffler in Uljanowsk herstellt.

Dort steht am Anfang und am Ende der Arbeit die Kontrolle, wie Werksleiter Oleg Iljin betont. Denn kleinste Fehler können verheerende Folgen haben, wenn die Teile erst einmal in ein Fahrzeug eingebaut sind. Sie werden deshalb genau geprüft. Eine Mitarbeiterin in weißem Kittel legt eine Metallscheibe unter ein Gerät, das deren Härtegrad misst. Dann untersucht sie mit einem Mikroskop die Oberfläche. Hier im Chemielabor sieht es eher aus wie in einer Klinik. 

Im Raum nebenan erledigt ein Roboter mit feinem Fühler die Messarbeit: Auf dem Bildschirm erscheint ein dreidimensionales Abbild der Schaltgabel, die gerade kontrolliert wird. Über das Verfahren wacht ein Messtechniker, der den Roboter programmiert hat.

Gemeinsam arbeiten Mensch und Maschine auch in der Produktionshalle.

Zwei Frauen und ein Roboterarm setzen zwölf Einzelteile zu einem Gangschalt­hebel zusammen. Daneben entstehen Kupplungen – etwa tausend pro Tag. Solche Kupplungen, aber auch Lager und viele andere Komponenten liefert der fränkische Konzern mit seinen Produktmarken INA, LuK und FAG bereits seit den Neunziger­jahren nach Russland. Gefertigt wird hier aber erst, seit 2014 das Werk in Uljanowsk eröffnet wurde.

Auf die rund 630 000 Einwohner zählende Stadt an der Wolga fiel die Wahl, weil in der Region die wichtigsten Kunden angesiedelt sind. Das sind in erster Linie die großen russischen Autohersteller, die allesamt Teile von Schaeffler verbauen. Zudem gibt es in der Region mit ihrer Automobil- und Luftfahrttradition gut ausgebildete Fachkräfte und die Regionalregierung kam Schaeffler beim Kauf des Grundstücks und der Erschließung entgegen. Im Industriegebiet von Uljanowsk hat sich der Zulieferer daher längerfristig eingerichtet, mit Investitionen in Höhe von etwa vierzig Millionen Euro und viel freier Fläche für die Erweiterung des Werks.

Außerdem eröffnete das Unternehmen Ende 2016 ein neues Büro in Moskau. Das soll helfen, neue Geschäftsmöglichkeiten in Russland zu erschließen, zum Beispiel im Bahnsektor, wie Rainer Lindner sagt, Präsident der Subregion Mittel- & Osteuropa und Mittlerer Osten & Afrika bei Schaeffler. 

So lieferte Schaeffler bereits Radsatzlager für die Züge des Moskauer S-Bahn-Rings.

2017 ist das Unternehmen der Deutschen Initiative für Hochgeschwindigkeitsverkehr in Russland beigetreten. Unter dem Dach der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK) haben sich elf deutsche Unternehmen zusammengesetzt, um im Gespräch mit russischen Ministerien und der Russischen Staatsbahn RZD ihre Chancen auf Großaufträge zu verbessern.

„Schaeffler will künftig auch ein Partner für E-Mobility und Industrie-4.0-Strategien russischer Unternehmen sein“, ergänzt Lindner. So bietet Schaeffler auch Komponenten für Hybrid- und Elektrofahrzeuge an.

Sich langfristig in Russland zu etablieren, heißt für Schaeffler aber auch, dass die Mitarbeiter die Prinzipien des „globalen Familienunternehmens“ verinnerlichen sollen. Denn als solches versteht sich die Aktiengesellschaft, die 2017 einen Umsatz von rund 14 Milliarden Euro erwirtschaftete und mehr als 90 000 Mitarbeiter in über fünfzig Ländern beschäftigte. Deshalb übernimmt Schaeffler laut Lindner an jedem seiner Standorte Verantwortung für die Region. 

Dazu gehört auch, die Talente vor Ort zu fördern.

Was das für die derzeit 173 Mitarbeiter in Russland bedeutet, berichtet der Ingenieur Nikolaj Baranow. Bevor das Werk in Uljanowsk in Betrieb ging, wurden er und seine Kollegen zur Schulung nach Deutschland geschickt. „Von dort brachten wir nicht nur Know-how mit zurück, sondern wir konnten auch eine Beziehung zum Unternehmen aufbauen.“ 

Dann zeigt Baranows Chef, der Werksleiter, die großen Plakate und kleinen Zettel, die an Wänden hängen oder auf Tischen ausliegen: ein Fünfjahresplan mit Zielen und Visionen, der mit den Angestellten entwickelt wurde, und Formulare für Verbesserungsvorschläge.

Gute Ideen werden belohnt und am Ende des Jahres wird sogar fast wie zu Sowjetzeiten ein „Held der Arbeit“ gekürt, den sie Produktions-Star nennen. Jeder kann etwas bewegen, lautet die Botschaft, auch wenn er nur ein kleiner Teil des großen Ganzen ist. 

Denn bei Schaeffler weiß man, dass sich ohne die kleinen Teile gar nichts bewegen würde.

Fotos: Schaeffler, Evgeny Kondakov

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