Unipro

Milliarden für Megawatt

Wie ein Düsseldorfer Energiekonzern zum Betreiber des größten russischen Kraftwerks wurde

Gewaltige Kräfte sind am Werk, wenn aus zwei Elementen Strom entsteht. Erst lodert das Feuer, dann brodelt das Wasser im Kessel, bis Dampf aufsteigt, der die Turbinen antreibt. Draußen bedecken Schnee und Eis die Stadt Surgut. Am Ufer eines großen Wasserreservoirs wachsen die drei Schornsteine des Kraftwerks Gres-2 in den Himmel. Bis zu minus fünfzig Grad kalt wird es hier im langen sibirischen Winter.

Drinnen in der Halle hat es beständig um die vierzig Grad plus, nahe an den Kesseln deutlich mehr. Den Ingenieuren rinnt Schweiß von der Stirn, wenn sie nach dem Rechten sehen. Meistens sitzen sie jedoch im klimatisierten Kontrollraum vor einer Wand aus Monitoren. 

Dass die Anlage zu Sowjetzeiten entstand, daran erinnert hier nur noch ein buntes Mosaik über der Glastür. Alles andere ist Hightech. 

Per Mausklick steuern die Mitarbeiter das Kraftwerk. Seine Generatoren verwandeln die Bewegungsenergien der Turbinen in elektrische Energie und erzeugen so viel Strom wie kein anderes Kraftwerk im Land.

Seit 2007 ist das Flaggschiff der russischen Stromindustrie in deutscher Hand. Betreiber von Gres-2 ist Unipro, das zum Düsseldorfer Energiekonzern Uniper gehört. Die Muttergesellschaft produziert Strom und importiert Erdgas nach Westeuropa, unter anderem aus Russland. Mit viereinhalbtausend Mitarbeitern erwirtschaftet die russische Tochter jährlich mehr als eine Milliarde Euro und deckt mit ihren fünf Gas- und Kohlekraftwerken etwa fünf Prozent des Strombedarfs im größten Flächenstaat der Erde.

Das Flaggschiff der russischen Stromindustrie steht in Surgut.

Drinnen im Kraftwerk Gres-2 hat es beständig um die vierzig Grad plus.

Auch wenn es draußen eisig ist.

Bevor die Deutschen die Anlagen übernahmen, waren die Kraftwerke wie die meisten im Land Teil des staatlich kontrollierten Strom-Monopolisten United Energy Systems (UES), der über eine halbe Million Mitarbeiter beschäftigte und mehr als zwei Drittel des russischen Stroms erzeugte, aber kein Geld für die dringend nötige Modernisierung seiner Kraftwerke hatte.

In dieser Situation setzte UES-Chef Anatolij Tschubais mit dem Segen von Wladimir Putin gegen erhebliche Widerstände die Privatisierung der Stromwirtschaft durch. Erzeugung und Vertrieb sollten getrennt, der Monopolist zerschlagen und die 23 neuen Teilgesellschaften verkauft werden. Eine davon erwarb der Konzern E.ON, aus dem später Uniper hervorging. 

Der Kauf war bis heute die höchste deutsche Direktinvestition in Russland. E.ON war das erste ausländische Unternehmen, das einen großen russischen Stromproduzenten übernahm.

Die Düsseldorfer bekamen neben Gres-2 in Surgut vier weitere Gas- und Kohlekraftwerke in der Nähe von Perm am Ural, bei Smolensk im Westen des Landes, im Moskauer Gebiet und in der sibirischen Region Krasnojarsk nahe einem der wichtigsten Kohlebecken des Landes.

Wie auch andere internationale Konzerne, die damals in den russischen Strommarkt einstiegen, verpflichteten sich die Düsseldorfer, in neue Anlagen zu investieren. Im Gegenzug garantierte der Staat den Investoren, dass sie Abnehmer für ihren Strom finden und so die Ausgaben durch den Verkauf mit Profit wieder reinholen werden.

"So flossen in den vergangenen zehn Jahren mehr als fünfzig Milliarden Dollar in die russische Stromwirtschaft."

„Das erwies sich als erfolgreiches Investitionsprogramm. So flossen in den vergangenen zehn Jahren mehr als fünfzig Milliarden Dollar in die russische Stromwirtschaft“, sagt Maxim Schirokow, Generaldirektor von Unipro. Am Ufer des Ob in Surgut entstanden neben den sechs alten Blöcken nach der Übernahme zwei weitere. Damit erhöhte sich die Kapazität des Kraftwerks um 800 Megawatt. Präsident Wladimir Putin bedankte sich bei der Einweihung per Videobotschaft für diesen Beitrag zur Modernisierung des russischen Energiesektors. 

Die acht Blöcke können nun mehr als 5600 Megawatt Strom erzeugen – genau so viel wie die anderen vier Kraftwerke von Unipro zusammen. Auch dort hat das Unternehmen investiert, um alte Blöcke zu modernisieren und neue zu errichten. Insgesamt investierte es etwa 6,8 Milliarden Euro in die russische Wirtschaft.

Der Unipro-Strom fließt vor allem in die Industrie, die in Russland den Großteil der Energie verbraucht. Das ist auch der Grund dafür, dass das größte Kraftwerk des Landes ausgerechnet in Surgut liegt, knapp dreitausend Kilometer nordöstlich von Moskau.

Hier nahm in den Achtzigerjahren die Öl- und Gasförderung erheblich zu – und damit der Bedarf an Energie sowohl für die Förderung, als auch für neue Städte und Betriebe, die rund um die Rohstoffvorkommen entstanden. Heute ist Russland nach China, den USA und Indien der viertgrößte Energiemarkt der Welt. 

Es setzt beim Strommix vor allem auf Gas, Öl und Kohle, die zusammen sechzig Prozent ausmachen. Auf Atomkraft entfallen knapp zwanzig Prozent, auf Wasserkraft etwas weniger. Wind- und Sonnenenergie spielen eine geringe Rolle.

Auch das macht Russland zu einem der wichtigsten Länder für die Muttergesellschaft Uniper, die sich auf die konventionelle Stromerzeugung mit Gas, Kohle und Wasser konzentriert. Auf sie wird Russland noch lange setzen. Eine Energiewende wie in Deutschland ist nicht in Sicht.

Fotos: Hans-Jürgen Burkard, Evgeny Kondakov, Unipro

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