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Wintershall

Tief verbunden

Wie sich Deutsche und Russen gemeinsam durch den Permafrost bohren

Kaum ein deutsches Unternehmen hat so tiefe Beziehungen zu Russland wie Wintershall. Bis zu viertausend Meter tief sind sie an manchen Stellen. Denn so tief unter der russischen Erde bohrt die BASF-Tochter aus Kassel nach Öl und Gas. Sie fördert die Rohstoffe nicht allein, sondern mit den russischen Energiegiganten Lukoil und Gazprom. Der größte deutsche Erdöl- und Erdgasproduzent bringt Technologien und Expertise in diese Partnerschaften ein. Im Gegenzug profitiert Wintershall vom Rohstoffreichtum Russlands, das über ein Fünftel der heute bekannten Erdgasvorräte sowie die sechstgrößten Ölreserven der Welt verfügt.

Die Zusammenarbeit begann 1992 in der Nähe der südrussischen Millionenstadt Wolgograd mit dem ersten russisch-westeuropäischen Joint Venture zur Förderung von Erdöl. Ob sie in der Tiefe etwas finden würden, war nicht sicher, als Wintershall und Lukoil die Firma Wolgodeminoil gründeten. Doch das Risiko zahlte sich aus. Bis heute fördert Wolgodeminoil in der Region Öl und Gas und erschließt ständig neue Felder. Mit Wolgodeminoil hatte Wintershall den ersten Schritt nach Russland unternommen, auf den mehr als dreitausend Kilometer weiter nordöstlich bald weitere folgten.

Langsam aber beständig schraubt sich der Bohrkopf in den sibirischen Permafrostboden am Polarkreis. Wenn es gut geht, schafft er dreihundert, in den dicken Gesteinsschichten weiter unten nur noch wenige Meter am Tag. Er bohrt pausenlos, bis er nach drei Monaten sein Ziel erreicht: Erdgas, das viertausend Meter tief in der sibirischen Tundra verborgen liegt. Vor fünfzig Jahren gab es dort noch nichts als Eis und Schnee und eine kleine Siedlung. 

Erst als die unterirdischen Schätze entdeckt wurden, entstand die Stadt Nowy Urengoi, die heute die Gashauptstadt Russlands ist. Jeder fünfte Rubel des Staatshaushalts wird hier erwirtschaftet.

Die Lagerstätte Urengoi ist eine der größten der Welt. Mit den Vorkommen könnten alle Wohnhäuser zwischen London und Wladiwostok zehn Jahre lang mit Licht und Wärme versorgt werden. Einen Teil dieser Reserven erschließt Wintershall mit Gazprom, mit dem es 2003 das Joint Venture Achimgaz gründete.

Erdgas aus Westsibirien: Wintershall stieg 2007 als Aktionär in Juschno Russkoje ein.

Gemeinsam bohren sich Wintershall und Gazprom durch Schnee und Eis ... 

... wie hier in Juschno Russkoje.

Gemeinsam hatten sich die Deutschen und die Russen etwas vorgenommen, was nur mit vereinten Kräften möglich war. Denn zu Beginn des Jahrtausends hielten Experten es noch für unmöglich, Erdgas aus der sogenannten Achimov-Formation zu fördern. Tief unter dem Permafrost ist das Gestein dort sehr dicht, es herrschen Temperaturen von bis zu hundert Grad und hoher Druck. Doch Wintershall brachte die technische Expertise für Tiefbohrungen mit, die Kollegen von Gazprom die Erfahrung, wie man in Schnee und Eis große industrielle Anlagen errichtet. Nach erfolgreichen Probebohrungen begann in Nowy Urengoi die Produktion. Bis Ende 2021 werden die Bohrer mehr als hundertmal tief genug vorgedrungen sein, um das Gas anzuzapfen.

"Deutsche und Russen haben hier schwierige Aufgaben gemeistert, das schweißt zusammen."

Mehr als zwei Milliarden Euro investieren die beiden Partner zusammen in das Projekt. Über dreihundert Menschen arbeiten in Nowy Urengoi bei bis zu minus fünfzig Grad Außentemperatur in Schichten rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. „Deutsche und Russen haben hier schwierige Aufgaben gemeistert, das schweißt zusammen“, sagt der stellvertretende Direktor von Achimgaz Ingo Neubert. In drei Jahrzehnten will Achimgaz bis zu 230 Milliarden Kubikmeter Erdgas fördern, fast so viel wie Deutschland in drei Jahren verbraucht.

Noch größer ist das dritte Projekt, in das Wintershall 2007 als Aktionär einstieg. Das Erdgasfeld Juschno Russkoje liegt ebenfalls in Westsibirien. Auch hier heißt der russische Partner Gazprom.

Die Kasseler sind dort mit gut einem Drittel am Joint Venture Severneftegazprom beteiligt. Das Gas befindet sich nur etwa einen ­Kilometer unter der Erde, was es aber nicht unbedingt einfacher macht, es zu erschließen. Auch in diesem Fall hilft es, dass deutsche und russische Experten zusammenarbeiten. Bis 2017 haben sie schon mehr als zweihundert Milliarden Kubikmeter gefördert – etwa ein Drittel des Vorkommens.

Ein Teil des Gases von Juschno Russkoje fließt über die Ostseepipeline Nord Stream direkt nach Deutschland. An dieser Erdgasleitung ist Wintershall mit 15,5 Prozent beteiligt. Die beiden parallel verlaufenden Röhren können zusammen bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Jahr von Wyborg am Finnischen Meerbusen bis Lubmin bei Greifswald transportieren.

Damit es künftig doppelt so viel wird, hat Wintershall 2015 zusammen mit Gazprom, E.ON, OMV, Shell und Engie eine Absichtserklärung zur Umsetzung des Projektes „Nord Stream 2“ unterschrieben.

Wintershall sei überzeugt, „dass das Projekt für das europäische Energiekonzept von entscheidender Bedeutung ist“, sagt Thilo Wieland, der im Vorstand für Russland zuständig ist. Vorstandschef Mario Mehren bekennt sich auch in politisch schwierigen Zeiten klar zu den russischen Partnern, mit denen sein Unternehmen nun schon seit über einem Vierteljahrhundert außergewöhnlich tief verbunden ist.

Fotos: Hans-Jürgen Burkard 

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