Stada: „Russland ist nach Deutschland der zweitwichtigste Markt für Stada“

Mehr als eine Milliarde Euro hat der deutsche Pharmakonzern Stada in Russland investiert – und ist somit einer der wichtigsten ausländischen Investoren im größten Flächenstaat der Erde. Im Interview verrät Stephan Eder, seit Mitte 2020 Executive Vice President Russland/GUS, warum er aus Österreich nach Russland gezogen ist, wieso Stada so viel Geld in einen riskanten Markt investiert und welche Zukunftsstrategie der Konzern verfolgt.

Stada: „Russland ist nach Deutschland der zweitwichtigste Markt für Stada“

Herr Eder, seit Mitte 2020 sind Sie beim deutschen Pharmakonzern Stada als Executive Vice President für Russland und die GUS tätig. Zuvor waren Sie CEO von Hexal, einer Tochter des Schweizer Pharmagiganten Novartis. Wieso sind Sie nach Russland gewechselt – und was hat Sie an Stada gereizt?

Generika, preislich erschwingliche Kopien von Arzneimitteln, deren Patent abgelaufen ist, sowie nicht-verschreibungspflichtige Arzneimittel halten unser Gesundheitssystem am Laufen. Davon bin ich überzeugt. Stada ist weltweit eines der dynamischsten Unternehmen in diesem Bereich und hat enorme Wachstumsambitionen. Es ist beeindruckend, wie viel Stada in den vergangenen Jahren durch verschiedene Zukäufe investiert hat. Ich finde es spannend, ein Teil davon zu sein. Und es gibt auch einen privaten Grund, warum ich ausgerechnet nach Russland gezogen bin: Meine Frau ist Russin, unsere beiden Kinder haben sowohl die österreichische als auch die russische Staatsbürgerschaft. Den Kindern zu ermöglichen, auch in Russland zu leben, ist ein schöner Begleiteffekt meines neuen Jobs.

Stada hat insgesamt mehr als eine Milliarde Euro in Russland investiert. Damit sind Sie der größte ausländische Investor im Pharmasektor. Warum setzen Sie so große Hoffnungen in den russischen Markt?

Russland ist nach Deutschland der zweitwichtigste Markt für Stada. Der größte Flächenstaat der Erde bietet riesiges wirtschaftliches Potenzial. In der Bevölkerung gibt es einen hohen Bedarf nach einer Versorgung mit qualitativ hochwertigen Medikamenten. Und dazu können wir einen erheblichen Beitrag leisten. Wir gelten aufgrund unseres starken Engagements in Russland als systemrelevanter Spieler, der wichtig für das russische Gesundheitssystem und die russischen Patienten ist.

Über ein Viertel der 12.000 Stada-Mitarbeiter ist in Russland tätig. Ist es nicht gefährlich, Ihr Geschäftsmodell so sehr auf ein Land auszurichten, das auch für hohe Risiken wie Wechselkursschwankungen, Sanktionen und Protektionismus bekannt ist?

Es stimmt: Die vergangenen Monate waren von Rubelabwertung, Ölpreisverfall, Anti-Corona-Maßnahmen und einer schwachen Kaufkraft geprägt. Aber ich denke, es kommt vor allem auf die mittel- und langfristige Perspektive an. Russland ist nicht nur bekannt für seine Risiken, sondern auch für immer wiederkehrende Boomphasen. Ich bin überzeugt, dass Unternehmen, die in der Krise investieren und sich dem Markt zuwenden, nach der Krise zu den Gewinnern zählen werden.

2019 haben Sie das russische Arzneiportfolio Ihres japanischen Konkurrenten Takeda für knapp 600 Millionen Euro erworben. Es war die größte Übernahme in Ihrer Unternehmensgeschichte. Was hat Sie zu dieser strategischen Entscheidung bewegt?

Zum einen ist Russland ein wichtiger und strategischer Markt für uns, den wir weiter stärken wollen. Zum anderen umfasst das Takeda-Portfolio verschiedene therapeutische Segmente, die perfekt zu unserer eigenen Produktpallette passen und sie ergänzen. Durch die Übernahme konnten wir im sogenannten Consumer-Health-Bereich, also im Markt der nicht-verschreibungspflichtigen Medikamente, zur Nummer Eins in Russland aufsteigen.

Warum sind Generika so wichtig für Ihr Portfolio?

Generika kommen auf den Markt, sobald der Patentschutz für ein Medikament abgelaufen ist. Dadurch schafft der Wettbewerb bessere Preise für Verbraucher. Meines Erachtens sind Generika ein integraler Bestandteil des Gesundheitswesens, weil sie auch für einkommensschwächere Personen bezahlbar sind. Das wiederum ermöglicht bessere Finanzierung neuer Produkte und Innovationen. Mit einem Wort: Generika und nicht-verschreibungspflichtige Medikamente sind unverzichtbar. Ihr Anteil beträgt in vielen Arzneimittelmärkten bis zu 80 Prozent.

Wie hat Stada die Corona-Krise gemeistert? Kam es zu Unterbrechungen der Lieferketten oder sogar zu Produktionsstopps?

Zu Beginn der Corona-Krise haben wir uns fest auf die Fahnen geschrieben, die Arzneimittelversorgung für unsere Patienten sicherzustellen. Das ist uns gelungen. In unseren Werken kam es trotz Grenzschließungen nicht zu Produktionsunterbrechungen. Natürlich war die Lieferkette strapaziert, wir hatten zum Beispiel damit zu kämpfen, bestimmte Wirkstoffe aus Indien zu importieren. Aber die Befürchtung, dass die globalen Lieferketten nicht ausreichend stabil seien, hat sich letztlich als grundlos herausgestellt. Ein anderer sehr wichtiger Aspekt war und ist, dass die Sicherheit unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oberste Priorität hat. Auch das ist uns gelungen.

Gab es sogar Bereiche, die von der Krise profitiert haben?

Infolge von Panikkäufen konnten wir im März eine starke Umsatzsteigerung beobachten, insbesondere bei nicht-verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln wie Paracetamol und Ibuprofen oder Immunstimulanzien, die das Immunsystem anregen. Im Folgequartal allerdings gab es entsprechend weniger Nachfrage, weil zunächst konsumiert werden musste, was wir bereits verkauft hatten. Einen Rückgang gab es bei anderen Gruppen von Arzneimitteln, unter anderem auch einigen verschreibungspflichtigen Medikamenten, da Patienten vielerorts nicht zum Arzt gehen konnten. Deshalb war und ist die Corona-Krise vor allem für chronisch Kranke eine große Herausforderung.

Ein Ausbau der Telemedizin könnte Abhilfe verschaffen, damit Patienten auch in Krisenzeiten an notwendige Medikamente gelangen.

So gesehen hat das Coronavirus zu einer Beschleunigung der ohnehin stattfindenden Digitalisierung geführt. Die ganze Welt weiß nun, was Zoom und Teams sind. Wo früher Face-to-Face-Besuche notwendig waren, können Patienten nun digital mit Apotheken und Ärzten kommunizieren. Darin liegt eine große Chance.

Welche Zukunftsstrategie verfolgt Stada?

Unsere Strategie in Russland und der GUS ist ganz klar: Wir sind Nummer Eins im Consumer-Health-Bereich und wollen diese Position nicht nur halten, sondern ausbauen und stärken. Und im sogenannten Retail-Bereich, zu dem alles außer Ausschreibungen gehört, sind wir derzeit unter den Top-5 und wollen auch dort Nummer 1 werden. Um das zu erreichen, wollen wir uns noch besser auf unsere Kunden fokussieren, unser Portfolio weiter ausbauen, schlankere Strukturen schaffen und Prozesse effizienter gestalten.

Das Interview führte Thorsten Gutmann.

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